Sonderliche Überraschungen hat die Vorstellung der Wahlkampf-Mannschaft Hans-Jochen Vogels, zumal nach den vorangegangenen treffsicheren Vermutungen, nicht mehr gebracht. Aber wer die Entstehungsgeschichte ein wenig kennt, kann sich ausmalen, zu welchem Puzzlespiel es geriet, vierzehn Namen schließlich mit den Merkmalen „Erfahrung, Sachkunde, Sensibilität, Kontinuität und Perspektive“, wie der Kanzlerkandidat sagte, halbwegs überein zu bringen. Das alles macht, daß die Liste insgesamt eher konventionell wirkt und daß sie auf Kosten der Genauigkeit dem Gruppenprinzip unterworfen ist: jeweils mehrere Namen für einen größeren Aufgabenbereich.

Ein paar Eckpunkte und Neuigkeiten gibt es schon. Daß Egon Bahr die Rolle eines Abrüstungsbeauftragten übernehmen würde, ist ebenso wahrscheinlich wie die Berufung Eva Rühmkorfs als Staatssekretärin für Frauenfragen im Kanzleramt. Manfred Lahnstein als Finanz- und der Neuling Hans-Jürgen Krupp als Wirtschaftsminister: durchaus vorstellbar. Oder Herta Däubler-Gmelin an der Spitze des Justizressorts: das liegt nahe.

Und allen fünf ist, ob sie nun mehr links oder mehr rechts stehen, eines gemeinsam: großes Engagement, darauf legt Hans-Jochen Vogel besonderen Wert.

Gerade weil der sozialdemokratische Kanzlerkandidat die Grünen (noch) keineswegs für koalitionsfähig hält, möchte er möglichst viele von ihnen in die eigenen Wählerreihen ziehen. Unter diesem Gesichtspunkt kann man die Nominierung seines alten Freundes Günther Metzger sehen, der als Darmstädter Oberbürgermeister zusammen mit den Grünen regiert. Und der parteilose Neuling Klaus Meyer-Abich, von Hause aus Naturphilosoph, ist nicht nur ein Kernkraftskeptiker und unermüdlicher Prediger für die „Energiequelle Energie-Einsparung“, sondern auch jener Mann, von dem die einprägsame Formulierung vom „Frieden mit der Natur“ stammt.

Warum sollte es nicht, den Wahlsieg vorausgesetzt, auch handfeste Überraschungen geben? Jürgen Schmude etwa, der letzte Justizminister des sozial-liberalen Kabinetts, wird für den Fall einer Regierung Vogel schon wie selbstverständlich als sein eigener Nachfolger gehandelt. Aber seit jeher hat er sich sehr ernsthaft mit der Deutschlandpolitik befaßt, in jüngster Zeit noch mehr als früher. Und an der nötigen Behutsamkeit hat es ihm nie gefehlt Warum also „bloß“ Justiz?

Aus mancherlei Gründen läßt Vogels Mannschaft nur Konturen erkennen. Aber womöglich steckt in ihr mehr an sachlicher Umgruppierung und neuen persönlichen Akzenten, als viele jetzt schon zu wissen glauben.

Nuklearer Technologietransfer und barocke Orgelmusik: das will, auf den ersten Blick, so gar nicht zusammenpassen. Aber die Kraftwerk Union (KWU) hat beides zusammengebracht. Am brasilianischen Kernenergieprogramm beteiligt, wurde sie auf eine Barockorgel in der Kirche Santo Antonio in Tiradentes im Bundesstaat Minas Gerais aufmerksam gemacht, die – vor 200 Jahren in Deutschland gefertigt – von Kennern zu den bedeutendsten und schönsten Orgeln der Welt gezählt wird, aber seit Jahrzehnten nicht mehr bespielbar war.