In Bonn regiert, jedenfalls aus der Innenansicht mancher beteiligter Politiker und Beamter, die Kälte des Herzens – materielle Nöte werden kühl abgetan, seelische erst gar nicht zur Kenntnis genommen. Ein wenig von dieser den Nicht-Bonner vielleicht etwas befremdlich anmutenden Stimmung war wohl auch im gepflegten Biedermeier-Zimmer in der oberen Etage des Prominenten-Lokals „Maternus“ zu spüren, als sich dort der Aufsichtsrat der in Bundesbesitz befindlichen Industrieverwaltungsgesellschaft mbH (IVG) traf. Denn dort waren die Gebeutelten sozusagen unter sich: Aufsichtsräte aus Bundesdiensten und Mitglieder der Geschäftsführung, die zuvor höhere Beamtenränge bekleidet oder Abgeordnetendiäten verzehrt hatten.

Ach ja, murrte einer der Anwesenden, er sei gerade vom Bonner Machtwechsel in Mitleidenschaft gezogen worden. In der Tat: der dies sagte, Heinz Padberg (SPD), früherer Haushalts- und nachmaliger Rüstungsdirektor unter Bundesverteidigungsminister Hans Apel, hatte auf der Hardthöhe gerade seine Koffer packen müssen.

Padbergs Wehmut steckte einen anderen Anwesenden an: Hans-Georg von Koester, Mitglied der Geschäftsführung der IVG. Auch ihm habe, so erinnerte er sich, ein Machtwechsel in Bonn halt mitgespielt: 1969 habe er das Bundeskanzleramt verlassen müssen, weil sich dessen neuer Chef Horst Ehmke an seiner CDU-Mitgliedschaft gestoßen habe.

Die Herren kultivierten noch ein wenig ihre Wehmut, als sich die Tür öffnete und Ehmke hereinkam – einer der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat hatte ihn im Erdgeschoß des Restaurants entdeckt und heraufgebeten. „Da ist ja der Mann“, ging Ehmke strahlend auf Koester zu, „der mir seine Karriere zu verdanken hat.“

Koester wollte nun nicht länger klagen, und er hätte auch keinen Grund dazu gehabt. Sein damaliger Rausschmiß ist ihm längst vergoldet worden, denn Geschäftsführer und Vorstandsmitglieder bundeseigener Unternehmen verdienen deutlich mehr als selbst führende Beamte. Der ehemalige CDU-Beamte ist behaglich in eine Proporz-Geschäftsführung eingebettet worden.

Übrigens geht auch Padberg, den zuerst die Wehmut ergriffen hatte, nicht am Bettel: Er ist inzwischen kaufmännischer Geschäftsführer der Fernleitungsvertriebsgesellschaft (FBG) geworden, eines Tochterunternehmens der IVG – dort übrigens als Nachfolger Ludwig Rehlingen (CDU), der neuerdings als Staatssekretär im Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen amtiert.

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