Karl Rohe (Hrsg.) "Die Westmächte und das Dritte Reich 1933-1939. Klassische Großmachttrivialität oder Kampf zwischen Demokratie und Diktatur?" Wie konnte es dem nationalsozialistischen Deutschland gelingen, Europa und die Welt nach den Erfahrungen des Ersten Weltkrieges innerhalb relativ kurzer Zeit abermals in einen Krieg zu stürzen? Warum haben die Westmächte Großbritannien, Frankreich und Amerika – die westlichen Alliierten des Ersten Weltkriegs – nicht rechtzeitig interveniert? Das sind noch immer die brennendsten Probleme der internationalen Politik im 20. Jahrhundert. Dieser Sammelband gibt auf bestechende Weise den Wissensstand über die Appeasement-Politik wieder. Dabei haben die Autoren die internationalen Ausgangslagen berücksichtigt, und sie arbeiten den Zusammenhang von Außen-, Militär-, Gesellschafts- und Wirtschaftspolitik der nur langsam anlaufenden westlichen Gegenstrategie heraus. Ausgangspunkt ist die politisch-ökonomische Doppelkrise seit 1929: der Zusammenbruch der Weltwirtschaftsordnung und der sicherheitspolitischen Ordnungen im Fernen Osten und Europa. Die westlichen Großmächte suchten Zuflucht im nationalen Egoismus statt in einer koordinierten Friedenssicherung, um internationale Konflikte einzudämmen. Vor allem das von vielerlei Rivalitäten gekennzeichnete Verhältnis zwischen der alten Weltmacht Großbritannien und der kommenden Weltmacht Amerika wirkte sich negativ aus. Und nicht zuletzt spielte die Fehleinschätzung des Nationalsozialismus eine zentrale Rolle. Erst spät erkannte man, daß das Hitler-Deutschland, nicht nur die Revision des Versailler Vertrags anstrebte, sondern einen Hegemonial- und rassenideologischen Vernichtungskrieg vorbereitete. Abgeschlossen wird der Band durch einen Forschungsüberblick und ein – gerade auch für ein breiteres Publikum – sehr hilfreiches Glossar der wichtigsten Begriffe. (Ferdinand Schöningh, Paderborn 1982; 231 S., DM 32,–.) Gottfried Niedhart