Fünf deutsche Neonazis sind als mutmaßliche Terroristen verhaftet worden. Die Bombenanschläge auf amerikanische Einrichtungen Ende letzten Jahres gehen offensichtlich auf das Konto ihrer Zirkel, die über die Grenzen hinweg zusammenarbeiten.

Bomben explodierten in Autos amerikanischer Armeeangehöriger und in einer Wohnsiedlung der U.S.Army bei Frankfurt – eine Gruppe von Terroristen hatte sich im Dezember 1982 das Ziel gesetzt, US-Soldaten und ihre Angehörigen umzubringen. Zwei Menschen wurden schwer verletzt; es lag an Zufällen, daß die Sprengkörper keine größeren Schäden anrichteten. Die Öffentlichkeit vermutete die Täter erst einmal im linksextremen Spektrum: Die Revolutionären Zellen, die im Frankfurter Raum schon oft hervorgetreten waren, schienen die Bombe gelegt zu haben – um sich an die Proteste aus der Linken gegen die militärische Präsenz der Vereinigten Staaten in Deutschland anzuhängen. Gegen diese Vermutung sprach aber von Anfang an das Ziel der terroristischen Anschläge: beliebige Menschenmengen. Das paßte nicht zur Handschrift der linksextremen Terrorgruppen, die bisher immer einzelne prominente Repräsentanten des von ihnen gehaßten Systems ins Visier genommen hatten. Anschläge gegen große Personengruppen kannte man als Werk rechtsextremer Täter: in München 1980 beim Oktoberfest, in Hamburg gegen Vietnamesen, auch im europäischen Ausland.

Im rechten Bereich wurden die Ermittlungsbehörden jetzt auch fündig. Ein Sonderkommando der Polizei nahm in einer konspirativen Wohnung in Frankfurt drei Männer fest, die unter Führung eines vierten, des inzwischen entkommenen Odfried Hepp, die Anschläge unternommen haben sollen. Es handelt sich um den 40jährigen Helge Blasche und die beiden 22jährigen Neonazis Dieter Sporleder und Hans-Peter Fraas. Blasche und Sporleder stammen aus der „Volkssozialistischen Bewegung“ des 1981 in München festgenommenen Friedhelm Busche, Fraas aus der Wehrsportgruppe des in Erlangen auf seinen Mordprozeß wartenden Karl-Heinz Hoffmann.

Die Frankfurter Festnahmen waren Teil eines internationalen Coups: Wenige Tage später nahmen englische Polizisten in Poole in der südenglischen Grafschaft Dorset zwei junge Deutsche fest, die als – Mitglieder der Wehrsportgruppe Hoffmann an den Anschlägen im Hessischen teilgenommen haben sollen. Walther Kexel und Ulrich Tillmann wurden im Haus eines Ian Souter Clarence verhaftet, dessen Bürgerwehrtruppe Wessex Survival Services in rechtsextremen Zeitschriften ihre Dienste anzubieten pflegt. In England liegt gegen die beiden jungen Deutschen nichts vor; die Bundesregierung hat bereits ein Auslieferungsgesuch gestellt.

Möglicherweise wird auch Frankreich die Auslieferung eines der beiden verlangen: Walther Kexel wird verdächtigt, zu den Attentätern zu gehören, die im August 1982 in Paris ein jüdisches Restaurant überfielen und mit Schüssen und Handgranaten sechs Menschen töteten. Kexel war nach Erkenntnissen der französischen Sicherheitsbehörden eng mit dem Neonazi Frank Schubert liiert, der sich im Dezember 1980 nach einem Schußwechsel mit der Polizei an der Grenze zwischen der Schweiz und der Bundesrepublik das Leben nahm. Nach dem antisemitischen Mordanschlag in Paris stellte die Polizei nach Zeugenaussagen Phantombilder der Attentäter her – ein Bild gleicht Kexel, das andere dem jetzt in Frankfurt entkommenen Odfried Hepp. HJG