"Das Gespenst" ist im Rhythmus einer Wallfahrt gedreht: von einer Kreuzwegstation zur nächsten, von einem Akt zum anderen, ist der Film ein nie gesehenes Passionsspiel. Meistens bleibt die Kamera lange Zeit stehen. Am längsten vor Poli und Zisti, zwei versoffenen Vertretern der verhaßten Polizei, wie sie in keinem Achternbusch-Film fehlen darf.

Die beiden Polizisten haben den 42. Christus im Kloster vermißt und glauben an einen Kunstraub. Unaufhörlich tönt die Polizeisirene. An dem Mauerloch des zu einer Bar umgebauten Kirchenschiffs, wo die Polizisten sich betrinken, klebt stundenlang der Ober. Was er sieht, sagt er keinem. Seine kommentarlose Mauerschau führt diesen Akt der Kreuzwegstation ins absurde Theater. Seinem Aussehen nach ist dieser Christus ohnehin schon ein Verwandter von Becketts Figuren. Obwohl selbst ein Gott, wartet auch er auf Godot. Jahre nach der Erfindung von Becketts Rätsel ist es nun gelöst: Godot ist Annamiet Bierbifchler. Dazu spricht Herbert Achternbusch auf der Schlußtafel des Films sein "Amen". Nach ihrer großartigen Leistung sind Herbert Achternbusch und Annamirl Bierbichler schon jetzt zwei Schauspieler des Jahres.

Helmut Schödel