DIE ZEIT

Endloser Mord

Die Ausdrücke "verschwunden" und "unerreichbar" haben in den vergangenen zehn Jahren neue, makabre Bedeutungen erhalten: verhüllende Umschreibungen für "ermordet" und "willkürlich verhaftet".

Ratespiel

Die "Andropologen" haben es nicht leicht mit Moskaus neuem Mann. Zehn Tage war er krank, nun schimpft er wieder (Reagan sei Dank) über die "vorsätzlichen Lügen" des US-Präsidenten.

Fakt und Fiktion

Jede Regierung braucht ihre Rhetorik, ihre Spruchweisheiten für den Hausgebrauch, ihre ideologischen Formeln. Überhöhung gehört dazu – aber sie sollte das Geschäft des Regierens nicht stören.

Zeitspiegel

Der Fraktionszusammenschluß von CDU und CSU, gegen den die SPD erfolglos Einspruch erhoben hat, bringt nicht nur Gewinn, zum Beispiel das Amt des Bundestagspräsidenten, das der stärksten Fraktion zusteht.

Worte der Woche

"Ich erteile den Auftrag, in umfassenden und intensiven Anstrengungen ein langfristiges Forschungs- und Entwicklungsprogramm mit dem Fernziel zu erstellen, daß die von den Atomraketen ausgehende Bedrohung beseitigt wird.

Der Wortbruch nach der Volkszählung

Wie berechtigt die Skepsis vieler Bürger im Hinblick auf die Volkszählung 1983 ist und wie wenig man sich auf hohe und höchste Zusicherungen dabei verlassen kann, beweist ein Artikel, den Marion Dönhoff im Jahr 1950 nach der ersten Volkszählung in der ZEIT schrieb.

Wolfgang Ebert: Ronnies Comeback

Bob, meine Rolle macht mir keinen Spaß mehr", sagte Ronnie mißmutig zu seinem alten Hollywood-Agenten, der ihn im Weißen Haus besuchte.

England: bange Gefühle

Die landesweiten Wahlvoraussagen für Konservative, Labour und für die Allianz aus Sozialdemokraten und Liberalen lauten 4:3:3.

Frankreich: der kranke Mann Europas?

Mitterrand wies den Franzosen einen steinigen Weg. Die Inflation und die übermäßige Verschuldung – zwei Grundübel, "die uns auszehren" – werde er kompromißlos bekämpfen (siehe auch S.

Der Kunsthistoriker als Spion

Spione sterben selten hochgeehrt auf komfortablem Altenteil. Das muß wissen, wer das Gewerbe wählt. Anthony Blunt kam jetzt, 75jährig, in London an einem Herzinfarkt um.

Jusos: "Heißer Herbst"

Mit "friedenspolitischen Thesen" wollen die Jusos die SPD und die Friedensbewegung beeinflussen. Fast alle Delegierten waren mit dem umfangreichen Papier, das in Oberhausen vorlag, zufrieden: Die marxistische Minderheit, weil die Thesen vor allem die Rüstung des Westens aufs Korn nehmen; die diffuse Mehrheit, weil die Politik der Warschauer-Pakt-Staaten wenigstens vorsichtig kritisiert wird.

Entpolitisiert: Kein Strauß mit Strauß

Es könnte sein, daß die Herren Werner Giers und Gerd Kötting gerne surfen und bergsteigen. Das wäre die gebräuchlichste Erklärung dafür, daß das Journalisten-Duo aus Münster künftig in der bayerischen Landeshauptstadt wirkt.

Bußgeld

Den ersten Volkszählungs-Gegner hat es nun erwischt: Michael Schroeren, Journalist und Mitinitiator der Berliner Initiative "Politiker fragen – Bürger antworten nicht", hat vorige Woche einen bereits angekündigten Bußgeldbescheid bekommen (ZEIT Nr.

Ausstellung: Menschenbild

Volk und Gesundheit – Heilen und Vernichten im Nationalsozialismus" heißt eine Wanderausstellung, die noch bis zum 8. April in der Hamburger Kampnagelfabrik zu sehen sein wird.

Noch eine Chance in Japan

Spät, aber nicht zu spät, hat sich nun doch noch eine stattliche Anzahl renommierter Unternehmen dazu entschlossen, an der "Deutschen Leistungsschau 1984" in Tokio teilzunehmen.

Arbeitszeit: Einbruch

Otto Esser, Präsident der Deutschen Arbeitgeberverbände und standhafter Kämpfer für die Beibehaltung der 40-Stunden-Woche, muß zusehen, wie die Front langsam abbröckelt.

Evidenzzentrale: Weißer Neger gesucht

Fiünfunddreißig Banken unter einen Hut zu bringen, war schwieriger, als die Beteiligten vor ihrem Treffen letzte Woche in Zürich erwartet hatten.

Banken: Falsch verstanden

Walter Seipp, der Vorstandsvorsitzende der Commerzbank, hat bei der Vorlage der Jahresbilanz die Absichten der Bankenaufsicht kritisiert, durch ein gentlemen’s agreement freiwillig das Kreditgeschäft nicht nur der Auslandstöchter, sondern auch der Mehrheitsbeteiligungen im Inland dem Eigenkapitalgrundsatz des Bundesaufsichtsamts zu unterwerfen, "also den Gesamtkredit des Konzerns zu zügeln".

Bonner Kulisse

Der Kölner Oberbürgermeister (OB) Norbert Burger, hat sich wider Willen im Paragraphen-Dschungel des deutschen Beamtenrechtes verirrt.

Bundesbahn: Kontrast

Zwar gehört jener Werbetexter mit Berufsverbot bedroht, der den neuen Bundesbahn-Slogan "Der-Auto-fast-für-nix-Tarif" verbrochen hat.

Seine letzte Lohnrunde?

An Hans Mayr kommt in der IG Metall niemand vorbei. Der zweite Vorsitzende der Metallarbeitergewerkschaft hat durch sein Amt nicht nur die Organisation fest im Griff, auch in der Tarifpolitik geht nichts gegen ihn, obwohl er seit sechs Jahren für diesen Bereich nicht mehr zuständig ist.

Angst als Kostenbremse

Der Fall war neu: Erstmals seit ihrer Gründung vor fünf Jahren ist die "Konzertierte Aktion" der führenden Vertreter des Gesundheitswesens in der vergangenen Woche ohne einen Beschluß über die künftige Kostenbelastung der Beitragszahler auseinandergegangen.

Flugzeugbau: Stromlinie für die Bilanz

Heiner Wilkens ist um seine Aufgabe nicht zu beneiden: Er soll fünf Airbusse des Typs A 300 der Deutschen Lufthansa verkaufen und das zu einem Zeitpunkt, da der Markt für Gebrauchtflugzeuge darniederliegt wie nie zuvor.

Neuerscheinungen: Amüsante Plaudereien

André Kostolany gehört zu jener Kategorie von "Börsenspekulanten" – so nennt er sich stolz –, von denen nicht genau feststellbar ist, womit sie mehr finanziellen Erfolg haben, mit ihren eigenen Börsengeschäften oder mit ihren Büchern und Vorträgen über das Phänomen Börse.

Frankreich: Der kleine Mann muß blechen

Die Aktien des Club Méditerranée erlebten am vergangenen Freitag an der Pariser Börse eine außergewöhnliche Hausse. So stark war die Nachfrage nach den Papieren der freundlichen Ferienorganisation, daß der Handel längere Zeit ausgesetzt werden mußte.

Zeitliches aus Großbritannien: Maggie auf Tournee

Die Augen von Margaret Thatcher blitzen vor Begeisterung. "Hier herrschen großer Optimismus und Zuversicht. Hier Kaufen die Leute britisch, wenn sie nur irgendwie können", verkündet die englische Premierministerin ihrem Publikum.

Der Ausverkauf droht

van Haaren: Weil dem Fernmeldewesen der Post der Ausverkauf droht. Wenn landauf, landab private Kabelnetze – sogenannte Inselnetze – errichtet werden oder aber ganze Regionen großflächig durch privatrechtliche Beteiligungsgesellschaften – bei Minderheitsbeteiligungen der Post – verkabelt werden, dann verabschiedet sich die Post hinsichtlich des Netzbetriebs und der Netzerrichtung aus ihrer kommunikationspolitischen Verantwortung.

MANAGER UND MÄRKTE

Kaum war die Entscheidung gefallen, begannen die Spekulationen, wer wie abgestimmt hat. Denn der Aufsichtsrat der angeschlagenen Howaldtswerke-Deutsche Werft (HDW), der das umstrittene Sanierungskonzept von HDW-Chef Klaus Ahlers am Montag dieser Woche absegnete, beschloß zugleich eine Nachrichtensperre darüber, wer im zwanzigköpfigen Kontrollgremium dagegen und wer dafür war.

Wettlauf mit der Zeit

Kurz vor der Verjährung wurden die ersten Urteile im Herstatt-Prozeß gesprochen

Börsen-Report: Die Luft wird dünner

Immer mehr Börsianer bekommen ein ungutes Gefühl, wenn sie Rückschau auf die Kursentwicklung am deutschen Aktienmarkt während der letzten drei Monate halten.

Zeit spart Geld

Die Zinsen für Hypothekendarlehen bleiben in Bewegung. Als Anhaltspunkt die Darlehenskonditionen der Deutschen Siedlungs- und Landesrentenbank: Bei einem Nominalzinssatz von 7,50 Prozent und Zinsanpassung nach fünf Jahren beträgt der Auszahlungskurs 99 Prozent.

Lehrerstudenten: Neue Umwege

Heute scheint es umgekehrt zu sein. Laut offizieller Statistik streben immer noch viele Studenten und vor allem Studentinnen ein Lehramt an – dennoch ist schon in der Hochschule die individuelle Absatzbewegung in vollem Gange.

Das profunde Blau der Chemie

Im Jahr 1962 starb Yves Klein, 34 Jahre alt, nach einem Herzanfall in Paris. "Yves le Monochrome", der Erfinder des "International Klein Blue", der Rhapsode der eigenen Mission, der, so zeigt ihn ein berühmtes Photo, sich aus dem zweiten Stockwerk eines kleinen Pariser Vororthauses in den Himmel schwingt: Durch ein paar Stichworte ist Yves Klein auch Menschen, die keinen alltäglichen Umgang mit der Kunst haben, ins Gedächtnis zu rufen, gegenwärtig zu machen.

+ Weitere Artikel anzeigen