Von Helmut Becker

Im Jahr 1990 werden alle japanischen Großunternehmen die Automation in dem Maß nutzen, wie heute bereits die Autoindustrie unseres Landes“, prophezeite die angesehene for Eastern Economic Review im Dezember 1981 in einem Bericht über die Roboterhochburg Japan. Fast drei Viertel aller weltweit eingesetzten Industrieroboter waren damals schon in japanischen Firmen insultiert. Sie vor allem begründeten Nippons Preis- und Produktivitätsvorsprung, meinte das Blatt.

Auch der Präsident und Chefkonstrukteur von Fujitsu Fanuc, einem führenden Hersteller von Industrierobotern, sah damals eine rosige Zukunft für das Miteinander von Mensch und Roboter am Arbeitsplatz: „Werden noch mehr Roboter eingesetzt, entfällt für die arbeitende Bevölkerung der Zwang zu Überstunden“, begeisterte sich Roboter-Papst Seiuemon Inaba Ende 1981 vor dem Presseclub in Tokyo.

Sogar die Gewerkschaften Nippons schienen den stählernen Kollegen wohlgesonnen. Der Produktivitätsfortschritt erleichtere den Arbeitgebern Lohnerhöhungen, begrüßten sie die stählernen Kollegen und trösteten sich: Die Verdrängung des Menschen durch die Automation werde durch das japanische Prinzip der lebenslangen Anstellung verhindert.

Japans Automobilarbeitergewerkschaften waren den Kollegen anderer Branchen in ihrem Rationalisierungseifer stets voraus: „Die Automobilindustrie setzt heute ein Viertel aller Industrieroboter Japans ein, aber wir haben nie um unsere Arbeitsplätze fürchten müssen“, beschrieb der Chef der japanischen Automobilarbeitergewerkschaften, Ichiro Shioji, die Idylle noch im September 1981.

Doch so ganz geheuer war manchem Gewerkschaftsboß die wachsende Schar von möglichen Jobkillern an den Fließbändern der Autoindustrie schon damals nicht. Dem Beifall für den technischen Fortschritt folgte deshalb gelegentlich die bange Frage: „Wie lange wird es dauern, bis wir die Probleme nicht mehr ignorieren können?“

Es dauerte kein halbes Jahr. Seit der letzten Lohnrunde im Frühjahr 1982 ist gewerkschaftlicher Widerstand gegen fortschreitende Automation erwacht. Denn Automation ohne Entlassung war nur so lange möglich, wie Japans Autoindustrie kräftig expandierte. Seit Nippons Entlassung weltweit weniger absetzen, wächst vor allem die Zahl der unterbeschäftigten, aber voll bezahlten Mitarbeiter.