In der vergangenen Woche bekamen viele Patienten zum letzten Mal Unnützes auf Krankenschein. Jene vielen Mittelchen, mit deren Hilfe etwa die Dauer einer Erkältung von einer Woche auf sieben Tage reduziert werden konnte, gibt es seitdem zwar immer noch in der Apotheke, doch zahlt fortan im allgemeinen nicht mehr die gesetzliche Krankenkasse, sondern der Kunde. Ausnahmen wird es freilich auch künftig geben, und man darf gespannt sein, wie oft sie indiziert sein werden.

Denn nicht alle Ärzte sind in diesen Belangen guten Willens. Ein wenig war davon in den vergangenen Wochen auch an der Häufigkeit der Verschreibung von Bagatellarzneien zu spüren: Sie nahm, wie Fachleute beobachtet haben, stark zu. Die Patienten hamsterten auf Kosten ihrer Kasse, und viele Ärzte haben ihnen dafür die Rezepte geschrieben. Noch ein Abführmittel gefällig, noch ein paar Grippedragees – aber gern, und es durfte auch ein bißchen mehr sein.

Wie sich solches Verhalten mit ärztlicher Standesethik verträgt, ist die eine Frage. Eine andere aber ist die, was sich manche Ärzte eigentlich unter einer Krankenkasse vorstellen – einen Selbstbedienungsladen etwa? Ihre Standesorganisationen sollten ihnen, in ihrem ureigensten Interesse, Aufklärung zuteil werden lassen: Krankenkassen sind aufs äußerste belastete und kränkelnde Solidarsysteme. Ihr finanzieller Kollaps brächte zugleich auch das Ende der bisherigen Einkommenssituation der Ärzteschaft in der Bundesrepublik, pl