Mit einem weiteren Test will die Bundesbahn neue Marktchancen erproben. Nach dem „Rosaroten Wochenende“ und dem „Abteil des Jahres“ wirbt sie nun mit Sonderangeboten für die Autoreisezüge.

Auto-fast-für-nix“ nennt sich der neue Sondertarif, den die Bahn für drei innerdeutsche Autoreisezüge eingerichtet hat. Die bis zum 12. Mai dauernde Aktion gilt für die Strecken von Düsseldorf/Köln nach München („Christoforus Expreß“), von Hamburg/Bremen/-Hannover nach Lörrach, oder von Hamburg nach Karlsruhe („Hochrhein-Auto-Expreß“) und von Hamburg/Bremen/Hannover nach München („Auto-Traum-Expreß“). Dienstags, mittwochs und donnerstags, respektive in den folgenden Nächten, wird ein Pauschaltarif berechnet.

Im „Christoforus-Expreß“, einem Tageszug, kostet die einfache Fahrt 200 und die Rückfahrkarte 300 Mark; eingeschlossen sind der Autotransport und ein Erster-Klasse-Abteil für maximal sechs Personen. Die beiden anderen Züge fahren nachts, hier kostet der Sondertarif 300 respektive 500 Mark, einschließlich des Schlafwagenabteils ‚für maximal drei Personen oder des Liegewagenabteils für höchstens sechs Personen. Falls dieser Versuch erfolgreich verläuft, will die DB bei künftigen Aktionen auch grenzüberschreitende Auto-Reisezüge anbieten.

Zum Start der neuen Offerte zog Hemjö Klein, im Bundesbahnvorstand zuständig für Marketing, eine Bilanz der beiden ersten Markttests. Er bezeichnete die Aktionen als sehr zufriedenstellend. Das „Rosarote Wochenende“ brachte 430 000 Passagiere, darunter etwa 54 Prozent neue Bahnkunden. Eine „zweistellige Millionensumme“ blieb nach Abzug der Kosten in der Bahnkasse. Auch die zweite Sonderaktion, das „Abteil des Jahres“, sei in sich rentabel gewesen, berichtete Klein. Nach seinen Worten gelang es mit dem Abteilverkauf sogar 75 Prozent neue Bahnkunden anzusprechen.

Dies war neben dem Markttest und der Imagesteigerung das Hauptziel der Bemühungen. Die Bundesbahn war 1982 im Fernreiseverkehr der Verlierer, aus dieser Tatsache zog Klein die Konsequenz: „Wir müssen neue Kunden in einem schrumpfenden Markt finden.“ Um diese Passagiere zu bekommen, muß die Bahn dem Auto und dem Flugzeug Benutzer abspenstig machen. „Das ist uns möglich, wenn das Verhältnis von Preis und Leistung stimmt“, meinte Klein, der vor allem auf die Komfortvorteile der Bahn verwies.

Ein Ziel hat der – aus der Privatwirtschaft kommende – DB-Manager schon erreicht: In der monatlichen Imagebefragung rutschte die Meinung, die Bahn sei teuer, vom angestammten ersten auf den dritten Platz ab. An erster Stelle heißt es nun: „Die Bahn macht preiswerte Angebote.“ K. V.