Heinz Pentzlin: Das Geld. Verlag Ullstein GmbH, Berlin 1982, 373 Seiten, DM 48,–

Je dicker ein Buch ist, desto weniger wird es gelesen. Das weiß natürlich auch ein so versierter Autor wie Pentzlin. Wenn er diesmal einen dicken Wälzer – noch dazu über ein Bibliotheken füllendes Thema – schreibt, dann muß ihn etwas umtreiben. Seine Botschaft ist in einer Fülle historischen Materials versteckt – die Warnung vor einer Überschätzung der Rolle des Geldes.

Insofern ist das Buch ein Schuß vor den Bug Milton Friedmans und seiner monetaristischen Schule. Pentzlins Anliegen entzündet sich an dem bis heute nachwirkenden Prinzipienstreit der Geldtheoretiker, dem Streit zwischen Currency- und Banking-Prinzip. Die Currency-Theoretiker forderten, daß die Ausgabe von Banknoten voll durch Gold oder Silber gedeckt sein müsse, während die Banking-Anwälte meinten, daß dies unnötig sei. Bis auf den heutigen Tag haben sich in der Wissenschaft die Currency-Leute durchgesetzt, sie sind die Gurus der Geldpolitik. Ihre jüngste Erscheinungsform sind die Monetaristen, die da glauben, es genüge, die Geldmenge zu regulieren, um die Inflation in den Griff zu bekommen.

Pentzlin hält das für zu einseitig. Er bricht eine Lanze für die Banking-Theorie, nach der es keine einfachen, stets in bestimmter Richtung wirkende Zusammenhänge zwischen Geldmenge und Preisen gebe. Vieles an der gegenwärtigen Entwicklung des Geldwesens führt den Verfasser zu dem Schluß, daß die Banking-Theoretiker zu Unrecht wissenschaftlich verdammt worden seien – manches hätten sie klarer gesehen als die Currency-Vertreter. Dennoch haben sich die letzteren bis heute durchgesetzt. Die Thesen der Banking-Theoretiker wurden von den meisten Wissenschaftlern und auch von den Praktikern des Geld- und Währungswesens in Acht und Bann getan, weil sie fürchteten, daß eine völlige Freigabe der Notenausgabe zu einer inflationistischen Politik führt.

Wissenschaftler, die gegen diese scheinbar gesicherten Erkenntnisse zu Felde ziehen wollten, müßten in Kauf nehmen, sich vor ihren Kollegen zu disqualifizieren. Pentzlin nimmt das bewußt in Kauf. Als Journalist, der gewohnt ist, ständig kritisiert und als inkompetent hingestellt zu werden, ging er an die Quellen zurück und fand heraus, wie fragwürdig die Schlußfolgerungen der Monetaristen sind, die sich auf statistische Feststellungen von Friedman und Schwanz berufen.

Vor dem Hintergrund der herrschenden Meinungen in der Geldtheorie und in der Geldpolitik ist dieses Buch sicherlich die Schrift eines Ketzers. Da es nicht in der Sprache des Wissenschaftlers verfaßt ist, der nur für seinesgleichen schreibt, sondern in der verständlichen Diktion eines Journalisten, werden dem sachlich interessierten Laien Tore in die Welt währungstheoretischer Denker geöffnet. Praktiker finden einen zusammenfassenden Überblick mit historischem Rückblick und Ausblick – bis zum Plastik- und Computergeld.

Rudolf Herlt