Sir Freddie Laker ist von dem Vorhaben begeistert. Etwas über ein Jahr ist es her, daß der Preisbrecher auf der nordatlantischen Flugroute mit seiner Laker Airways in Konkurs ging. Nun sieht er seinen Nachfolger oder Nachahmer am Horizont auftauchen. Die amerikanische Fluggesellschaft Peoples Express bemüht sich um eine Lizenz, auf der Strecke London-New York. Sie will die Passagiere hin und zurück zu einem Preis von 300 Dollar befördern. Das ist sogar noch etwas niedriger als Lakers letztes Schlagerangebot.

Sir Freddie, der sich als Opfer einer Verschwörung der großen Fluglinien fühlt, sieht in dem Unterfangen eine späte Rechtfertigung. Er glaubt sich bestätigt durch die Klage des Konkursverwalters von Laker Airways gegen die Gesellschaften, darunter die Deutsche Lufthansa. Er verlangt eine Milliarde Dollar Schadenersatz. Hinzu kommen Ermittlungen des amerikanischen Justizministeriums wegen des Verdachts, daß die Großen gegen Anti-Trustbestimmungen verstoßen haben. "Wenn die anderen Gesellschaften einen Funken Verstand haben", so mahnt der Ikarus des Billigfliegens, "dann werden sie tun, was sie in meinem Fall hätten tun sollen, und ein relativ kleines Unternehmen gewähren lassen."

Der "Volks-Express" scheint die Umarmung jedoch zu scheuen. Der für den Flugbetrieb verantwörtliche Manager Harold Pareti, der der britischen Luftfahrtbehörde CAA seine Vorstellungen erläuterte, wehrt Vergleiche mit dem Laker-Unternehmen ab.

Der Volks-Express hat von der amerikanischen Luftfahrtbehörde bereits die Genehmigung erhalten, die Strecke vom Flughafen Newark bei New York nach Gatwick südlich von London zu befliegen. Die Firma plant fünf Flüge in der Woche mit einem Großraum-Flugzeug vom Typ Boeing 747 zu einem Tarif von 149 Dollar für eine Strecke.

Nach dem bilateralen Luftverkehrsabkommen muß die britische Seite zustimmen. Zuvor muß die CAA prüfen, ob das Unternehmen finanziell gesund ist und die Tarife "kostenbezogen" sind. Pareti wurde bei seinem Besuch in London deshalb nicht müde, die im Vergleich zur Konkurrenz so viel niedrigeren Betriebskosten seiner Gesellschaft zu rühmen,

Volks-Express verlangt flexiblen Arbeitseinsatz, verlangt viel von seinem Personal, das an der Gesellschaft beteiligt ist und dadurch einen zusätzlichen Anreiz hat. Die Firma betreibt bereits an der amerikanischen Ostküste ein Streckennetz mit gebraucht erworbenen Flugzeugen des Typs Boeing 737. Die Preise sind niedrig, der Service ist karg.

Seit Auftauchen von Volks-Express geistert das Wort "Preiskrieg" durch die Schlagzeilen der britischen Presse, Der Tarif von 99 Pfund ist wesentlich niedriger als das billigste stand-by-Ticket von 175 Pfund, das die anderen Gesellschaften anbieten. Der Retour-Flug von runden 200 Pfund wäre auch billiger als bei Chartergesellschaften.