Von Wolfgang Gehrmann

Wer die volle Wahrheit wissen wollte, mußte schon bis zum Ende lesen. Denn ihre wohl etwas mutig gewählte Schlagzeile "Ansätze zur konjunkturellen Erholung" konnte die Frankfurter Allgemeine nur elf Zeilen lang belegen – mit der Information, daß die Produktion des verarbeitenden Gewerbes in der Bundesrepublik im Laufe dieses Jahres spürbar steigen werde.

Der Rest der Meldung, immerhin noch 51 Zeilen lang, legte dann eher den gegenteiligen Schluß nahe. Stahl- und Leichtmetallbau, Maschinenbau, Lastwagenhersteller und Elektrotechnik, verblüffte das Blatt seine auf Konjunkturfrühling gestimmten Leser, würden 1983 leider nicht so viel produzieren wie im vergangenen Jahr. Auch in den Verbrauchsgüterindustrien werde der Ausstoß der Fabriken wohl sinken. Die Zeichen der Erholung zu erkennen, mag da manchem wohl etwas schwer gefallen sein.

Der journalistische Eiertanz der FAZ hat seinen guten Grund. Von den Konservativen und ihrer Presse vor dem 6. März propagiert, ist der Aufschwung nun zwar gewählt – doch er will! und will nicht kommen, fast so wie Franz Josef Strauß.

Für die Erholung spricht bislang nur eine Quelle, und die ist ziemlich trübe: In seinen Konjunkturtests hat das Münchner Ifo-Institut ermittelt, daß immer weniger Unternehmen ihre Geschäftslage und ihre Geschäftserwartungen für das nächste halbe Jahr schlecht beurteilen.

So gab es zum Beispiel im letzten Oktober im Maschinenbau noch eine Mehrheit von 48 Firmen, deren Manager pessimistisch waren. Im Februar lag dieser Saldo der Schwarzseher gegenüber den Optimisten nur noch bei drei. Bei den Investitionsgüterfabrikanten der Elektroindustrie überstieg im Februar die Zahl der Optimisten die der Pessimisten sogar um vier, vergangenen Oktober waren dagegen die Skeptiker noch mit 41 klar in der Überzahl gewesen.

Doch was Ifo da testet, ist nicht mehr als die vom CDU-Wahlsieg beflügelte gute Laune der Manager. Es ist kaum mehr als ihr von allerlei Spekulationen gefestigter Glaube an eine gute Zukunft. Nüchterne Zahlen dagegen sprechen eine andere Sprache: In just jenen Branchen, die am ehesten die Wiederbelebung der Wirtschaft spüren müßten, gehen immer weniger Aufträge ein.