63 Tonnen Erde aus Seveso, hochgiftige Rückstände der Chemiekatastrophe, sind verschwanden. Das Schweigen der Umweltsünder beunruhigt seit Wochen die europäische Öffentilichkeit.

25. März: Die staatliche französische Umweltbehörde bestätigt den Bericht einer Fachzeitschrift. Danach hat im September 1982 ein Lastwagen mit 41 Fässern Giftmüll aus Seveso bei Mailand die italienisch-französische Grenze passiert. In Seveso hatte sich 1976 einer der schlimmsten Chemieunfälle der Geschichte ereignet. Der Dioxin-Müll ist nach Auskunft der französischen Behörden nach kurzer Lagerung in Saint Quentin weiter ins Ausland gegangen.

28. März: Der Baseler Chemiekonzern Hoffmann-La Roche, Besitzer der Fabrik in Seveso, teilt mit, der Giftfässer sei nur der Firma Mannesmann Italiana in Mailand bekannt, die den Abtransport des Dioxin-Mülls übernommen habe. Einer Sprecherin dieser Firma zufolge weiß auch Mannesmann nichts über den Verbleib der Fässer. Der Geschäftsführer der französischen Transportfirma Spelidec, die die Fässer nach Saint Quentin transportiert hat, verweigert dort vor Gericht Angaben über den Weitertransport des Giftes und wird in Beugehaft genommen.

1. April: Das französische Umweltministerium benachrichtigt Bonn über Spuren, die in die Bundesrepublik führen. Die Betreiber der zwei in Frage kommenden Lager oder Zwischenlager in der Bundesrepublik erklären, mit dem Gift aus Seveso nie etwas zu tun gehabt zu haben.

2. April: Die französische Staatssekretärin für den Umweltschutz räumt ein, die Fässer könnten „in Frankreich oder in jedem anderen Land liegen“.

5. April: Die Bundesregierung ersucht Hoffmann-La Roche um Auskunft, ob der Giftmüll in die Bundesrepublik gebracht worden sei. Das Schweizer Unternehmen antwortet, es wisse nicht mehr, als daß die Fässer mit Genehmigung der zuständigen Behörden unter einer Tonschicht deponiert worden seien – unter der Verantwortung von Mannesmann und weder in der Schweiz noch in Frankreich oder Italien. Polizeiliche Ermittlungen in der Bundesrepublik ergeben, daß der Spelidec-Geschäftsführer schon 1981 mit deutschen Industriemüllunternehmern über den Transport von Dioxin-Müll über die Bundesrepublik in die DDR verhandelte.

7. April: Der Sprecher von Hoffmann-La Roche erklärt: „Mannesmann hat uns bei der Aushandlung der Vertragsbedingungen für den Vernichtungsauftrag gegen unseren Willen gezwungen zu akzeptieren, daß wir den Ort der Entsorgung nicht zur Kenntnis bekommen.“ Die Mannesmann-Zentrale in Düsseldorf behauptet dagegen, die italienische Tochter des Konzerns habe nur den Auftrag übernommen, gemeinsam mit der französischen Spelidec den Giftmüll aus Italien zu entfernen.