Theodor Spitta, der Schöpfer zweier Verfassungen für die Hansestadt – Eine Würdigung

Von Karl Carstens

Theodor Spitta, der vor 110 Jahren geboren wurde, besaß eine Reihe von Eigenschaften, die ihn aus der Schar seiner Zeitgenossen heraushoben und ihn zu einer der bedeutendsten Gestalten der bremischen Geschichte werden ließen.

Er war durch das humanistische Gymnasium geprägt, lebte in der Geschichte und dachte in geschichtlichen Zusammenhängen; auch literarisch war er umfassend gebildet. Goethes Werke hatte er in sich aufgenommen. Mit vielen Persönlichkeiten des geistigen Lebens in Deutschland stand er in Verbindung. Anton Kippenberg, der Inhaber des Inselverlags und langjähriger Präsident der Deutschen Goethegesellschaft, war sein Freund.

Zugleich war Spitta ein eminenter Jurist, in allen Spalten der Rechtswissenschaft bewandert. Besonders tief drang er in das Verfassungsrecht ein, dessen ethische, die jeweiligen positiv-rechtlichen Ausgestaltungen überdauernden Grundlagen er immer wieder hervorhob. Die Rechtsordnung bedeutete für ihn Friedensordnung, die zu wahren er als seine vornehmste Aufgabe ansah. Gewalt verabscheute er.

Er war von gütigem Wesen, tolerant, im Umgang mit anderen sehr höflich, dabei aber fest im Grundsätzlichen. Äußerlich trat er bescheiden auf. jahrelang ging er von seiner Wohnung zu Fuß ins Rathaus. Von Publizität hielt er nicht viel; niemals unternahm er krampfhafte Versuche, um in der Presse oder in die anderen Medien zu kommen.

Er hatte einen noblen Charakter. Gemeines, unanständiges Verhalten verabscheute er, unsachliche Argumente waren ihm zuwider. Persönlich war er völlig integer und dazu auch noch sparsam, vor allem, wenn es sich um öffentliche Gelder handelte.