Von Heinrich Albertz

Im Sinne des Südwestfunks in Baden-Baden ist dieses kleine Buch von Franz Alt ganz sicher nicht „sendefähig“. Denn wenn es schon Anstoß erregt hat, nach dem Beispiel von Gandhi zu fragen, dann sind Leben und Lehre Jesu Christi in unserem allerchristlichsten Lande besonders gefährlich, zumal wenn man sie wörtlich nimmt. Genau dies aber tut Franz Alt – eindrucksvoll:

Franz Alt: „Frieden ist möglich. Die Politik der Bergpredigt“; Piper aktuell, München 1983; 128 S., DM 8,80.

Den Gesinnungs- und Verantwortungsethikern in unserem Lande müssen sich in ihrer Schizophrenie die Haare sträuben, wenn sie lesen und hören, was hier ein wichtiger Journalist aus unserem öffentlich-rechtlichen Rundfunksystem in großer Offenheit von sich selber berichtet: Wie er beim Lesen der uralten Texte zu Einsichten gekommen ist, die mitten in die politische Praxis unserer Tage hineinführen und die ihn – so wörtlich – zum „Atompazifisten“ machten.

Er druckt sie voll ab, diese Bergpredigt, weil er mit Recht der Meinung ist, daß viele über sie reden, ohne sie je gelesen zu haben – ein Schicksal, das die Heilige Schrift mit dem Grundgesetz teilt – und stößt damit auch der theologischen und kirchlichen Zwietracht mitten ins Herz – mit ihrem elenden Streit über die politische Dimension des Evangeliums, mit ihrer Einäugigkeit, die in Polen und in der DDR unmittelbare politische Einflußnahme der Kirchen wünscht und sich hierzulande auf Themen wie den Paragraphen 218 oder Eheprobleme beschränkt. Da gibt es ein klares Ja oder Nein. Da weiß man genau Bescheid.

In der Existenzfrage der Menschheit aber wird daraus immer noch ein: „Ja, aber“ – oder ein: „Nein, aber“...

Alts Konfessionen ruhen ganz auf unmittelbaren persönlichen Erfahrungen: Er erzählt die Geschichte von dem Besuch einer Gruppe der Jungen Union bei den beiden Friedenskundgebungen im Juni 1982 in Bonn – beide Mal „auf der falschen Demonstration“; er erzählte die Geschichte einer Reise mit Norbert Blüm durch die DDR, das fremde Land für diese beiden so ganz westlichen Deutschen. Wie sich die Formeln gleichen, immer den anderen meinend: Bundeswehr und Nationale Volksarmee als Friedenstruppe. Die Friedensbewegung hier und dort. Aber hier kommunistisch und dort vom CIA unterwandert.

An der Fülle der Literatur zum wichtigsten Thema unserer Zeit ragt Alts Buch aus dreierlei Gründen heraus: Es ist ganz persönlich und ganz ehrlich geschrieben; es ist praktisch und verständlich zugleich, und schließlich ist es angenehm kurz. Als Pflichtlektüre in Schulen, und Bischofskonferenzen, im Bundestag und bei den Verteidigern christlicher Werte besonders geeignet.