Urlauber können sich gelegentlich schon im voraus ein Bild von ihrem Ferienziel machen – dank Videokassette.

Franz Limberger hatte Pech mit dem Wirt. „Wenn ich den vorher gesehen hätte, wäre ich nicht in dem Hotel abgestiegen. Der ging mir die ganze Zeit auf den Wecker.“ Und weil Franz Limberger auch noch Geschäftsführer des Fremdenverkehrsverbandes Pyhrn-Eisenwurzen in Oberösterreich ist, hatte sein mißglückter Urlaub gleich Konsequenzen.

Der Manager schrieb sämtliche Hoteliers seiner Region an mit der Bitte, auf Videokassette etwas über sich und ihre Hotels zu erzählen, damit sich potentielle Urlauber von ihrem Ferienziel im voraus ein Bild machen können. 26 Gastwirte waren spontan begeistert, und so entstand ein Informationsfilm, der außer den Unterkunftsmöglichkeiten auch noch die Sehenswürdigkeiten des Urlaubsgebiets zeigt. Interessenten können diese Kassette in allen drei Heimsystemen (VHS, Beta, Video 2000) zehn Tage lang kostenlos beim Fremdenverkehrsverband Pyhrn-Eisenwurzen, Hauptplatz 20, A-4560 Kirchdorf/Krems, ausleihen.

Was die Österreicher im kleinen proben, hat bei den großen bundesdeutschen Reiseveranstaltern schon einen beachtlichen Umfang angenommen. Die Touristik Union International (TUI), Europas größter Reiseveranstalter, war einer der ersten, die das neue Medium zur Verkaufsförderung einsetzten. Allerdings war es bei der Demonstration anläßlich der Berliner Tourismus Börse 1982 noch eine Bildplatte, auf der die TUI einen Teil ihrer Reiseangebote präsentierte. Weil aber die wenigsten Reisebüros über Abspielgeräte verfügen (ein Bildplattenspieler kostet immerhin 2000 Mark), setzt die TUI heute auf Videokassette.

Acht Urlaubsangebote hat sie mittlerweile auf Bänder überspielt: „Griechenland für Liebhaber“, „Sonniges Lusitanien“, „Kanaren – Inseln des ewigen Frühlings“, „Le belle isole“, „Zauber der Karibik“, „Wandern in Südtirol“, „Jumbo Kenia“ und eine „Kreuzfahrt mit der MS Astor“. Diese Titel wurden bisher von 150 TUI-Agenturen geordert. Die größte, das Düsseldorfer Reisebüro Hartmann, stellt ihren Kunden für diesen Service vier Fernsehapparate und eine Großbildwand zur Verfügung.

Das Angebot ist nicht nur auf die Filme der TUI begrenzt. 150 verschiedene Kassetten, oft PR-Filme von Fremdenverkehrsämtern, können im Reisebüro am Graf-Adolf-Platz 13 angeschaut werden. Meist sind es Überspielungen alter Super-S- und 16-Millimeter-Streifen, und das ist auch gleich der Nachteil. Marketing-Direktorin Ulrike Hipp: „Die Qualität ist teilweise sehr schlecht, und außerdem brauchten wir spezialisierte, kürzere Filme.“

Horst Laudien ist der gleichen Ansicht. Dem Absatzförderer der TUI-Marke Touropa ist die Laufzeit – zwischen 45 Minuten und einer Stunde – zu lang; ihm schwebt ein vollgepackter Informationsfilm vor, der vor allem den Namen „Touropa“ stärker zur Geltung bringt. Laudien: „Es kann ja schließlich nicht angehen, daß ein Kunde unsere Kassette sieht und dann, nur weil es vielleicht günstiger ist, bei Neckermann bucht.“