Bereits hunderttausend US-Firmen beteiligen sich am Naturhandel

Von Peter Christ

Mitchell J. Schultz wollte heiraten. Der Termin stand fest, die neue Wohnung auf der vornehmen Ostseite des New Yorker Central Parks war fertig. Nur die Möbel fehlten noch – und das Geld dafür. Schultz und seine Braut hinderte dies aber nicht daran, beim Möbelhändler de Marco in Manhattan für 2000 Dollar einzukaufen. Die Rechnung zahlten sie weder bar noch mit Scheck oder Kreditkarte.

Schultz, der eine Broschüre für Touristen und Geschäftsreisende herausgibt, die in New Yorker Hotels ausliegt, bezahlte mit Anzeigenplatz in seinem Blättchen. Weil aber die Leser dieser Broschüre kaum zu den potentiellen Kunden des Möbelhändlers zählen, gab Schultz die Anzeigengutschrift an Ray Pfeister weiter, der sein Geld mit der Vermittlung von Tauschgeschäften (Barter) verdient. Pfeister besorgte de Marco schließlich als „Bezahlung“ für die Möbel eine Briefmarkensammlung, die der Händler als Kapitalanlage suchte.

Stahl gegen Cocktails

Um eine Million Dollar ging es bei der Lieferung von Stahlteilen und Sicherheitsnetzen, die der New Yorker Tauschhändler Atwood Richards für ein französisches Unternehmen besorgte, das den Eiffelturm in Paris überholte. Die Franzosen zahlten nicht mit Franc, sondern unbar: mit dem Interieur des Eiffelturm-Restaurants. Es liegt jetzt, in Containern verpackt, im New Yorker Hafen und wartet auf einen Abnehmer. Moreton Binn, Chef bei Atwood Richards Inc., hofft die Restauranteinrichtung an einen Vergnügungspark oder eines der traditionsversessenen Hotels in den Vereinigten, Staaten verkaufen zu können. Als Gegenleistung möchte er am liebsten Gutschriften für Hotelübernachtungen, Kongresse, Büfetts oder Cocktailpartys, die sich gut vermarkten lassen, weil sie von fast jedem Unternehmen gebraucht werden.

Die Geschäfte von Atwood Richards blühen prächtig. Allein im vergangenen Jahr gingen Tauschobjekte im Gegenwert von rund 300 Millionen Dollar durch die Bücher und Computer dieser Barterfirma, die zu den Großen der Branche gehört.