Der Ölteppich wandert von Kiste zu Küste und verbreitet Panik in den Golfstaaten. Der Krieg, der die Katastrophe verursacht hat, geht unterdes weiter.

Überall am Golf versuchen Fabriken, Hotels und Privatleute verzweifelt, große Reserven von Mineralwasser anzulegen. Der Wassermangel ist die Achillesferse der Golfstaaten, die zwar über die Hälfte der außerhalb des kommunistischen Machtbereiches bekannten Ölreserven gebieten, ihr Wasser aber aus teuren Meerwasser-Entsalzungsanlagen gewinnen müssen. Die Furcht geht um, daß der Ölschlick die Anlagen erreicht, die schließen müßten – die Region würde buchstäblich austrocknen. Der Iran hat schon einige mit Wasser gefüllte Tanker entsandt, als Zeichen des guten Willens.

Saudi-Arabien hat bereits die Schließung des Wasserwerks von Al Khobar angekündigt Das ist zwar nur eine kleine Entsalzungsanlage; sie liegt aber nur knapp 100 Kilometer südlich von Jubail, der größten derartigen Anlage in der Welt, die Tag für Tag fast sieben Millionen Hektoliter Wasser für die Hauptstadt Riad bereitstellt.

Seit dem 2. März, an dem irakische Flugzeuge zum erstenmal das iranische Ölfeld Nowruz bombardierten, droht den Tieren und Pflanzen im Meer der Tod. Überall am Golf wurden große Mengen toter Fische an die Strände gespült. Vor Bahrain fanden Taucher in den letzten Tagen drei tote Delphine – sie steckten im Öl auf einer Sandbank. Noch vor 30 Jahren lebten die meisten Bewohner der Region vom Fischen und Perlentauchen. Bevor die Japaner die Zuchtperle entwickelten, stammten alle Perlen aus Austern im Persisch-Arabischen Golf.

Jetzt füllen sich die weißen Strände zum ersten Mal mit Teer. Zeitungen in Kuwait veröffentlichten erschreckende Bilder von Ölschlickmassen. Der Schlick ähnelt einer großen schwarzen Landmasse in Bewegung.

Die wachsende Panik scheint am diplomatischen Stillstand im iranisch-irakischen Konflikt nichts geändert zu haben. Eine Konferenz der Golf-Anrainer in Kuwait endete ohne Ergebnis, und die Iraner reagierten auf das Dilemma mit einer neuen militärischen Offensive.

Jede Bekämpfung der Ölpest sich zuerst der bombardierten Ölquellen von Nowruz annehmen, aber dazu wäre ein Waffenstillstand erforderlich. Der Iran widersetzt sich auch der Forderung nach einem zeitlich und örtlich begrenzten Waffenstillstand im Gebiet der Ölfelder Die Iraner können mit Genugtuung feststellen, daß die Ölpest vor allem die arabischen Golfstaaten bedroht, die seit zwei Jahren den Krieg des Irak finanzieren.