Bonn, im April

München für die SPD zurückzuerobern, träumt Peter Glotz, das wäre eine schöne, „symbolische Geschichte Ohnehin muß man die Opposition von unten wieder aufbauen, von den Kommunen her. Und überdies ist die bayerische Metropole auch das große Symbol für den Niedergang der SPD in den Städten geworden. Für die Sozialdemokraten wäre es in der Tat schön, wenn sie gerade dort einen Neuanfang zuwege brachten.

So wie die CDU als Oppositionspartei einst die „roten Rathäuser“ erobert hat, will die SPD nun umgekehrt die schwarzen Rathäuser stürmen. Die Nachricht von der Nominierung des 52jährigen Georg Kronawitter zum Oberbürgermeister-Kandidaten von München für die Kommunalwahlen im März nächsten Jahres, für Erich Kiesl (CSU) kein leichter Gegner, paßt vorzüglich in dieses Wunschbild.

Als Nachfolger des populären Jochen Vogel regierte Kronawitter, kaum weniger respektiert, von 1972 bis 1978 schon einmal München, bis er sich mit der SPD überwarf. Jetzt haben die Genossen ihm vor zwei anderen Kandidaten den Vorzug gegeben – und das schon beim ersten Anlauf. „Die Sozialdemokraten“, jubelt Kronawitter, hätten die siebziger Jahre hinter sich. Wenn er recht behält, will das etwas heißen. Nirgendwo sonst sind die Flügelkämpfe in diesen Jahren unversöhnlicher ausgetragen worden als hier.

Die Verlustbilanz seit 1970 legt der SPD nahe, sich auf einen Wiederaufbau ihrer Machtpositionen von unten zu besinnen. Sozialdemokraten haben nicht nur die drei großen Symbolstädte München, Frankfurt und Berlin eingebüßt. Überhaupt war die Liste der Städte, die von ihnen regiert werden, noch nie so kurz wie heute.

In Bayern sind gerade noch Aschaffenburg, Augsburg und Würzburg geblieben, von dem Sonderfall Nürnberg, wo sich der ungekrönte Regent Urschlechter mit der SPD überwarf, aber an der Spitze blieb, einmal abgesehen. In Hessen hält die SPD noch Darmstadt und Kassel – mit Hilfe der Grünen. Dagegen hat es Walter Wallmann (CDU) in Frankfurt verstanden, sich geradezu zu einem Markenzeichen für christdemokratische Kommunalpolitik zu machen.

Noch düsterer sieht die Bilanz in Baden-Württemberg aus. Manfred Rommel (CDU) personifiziert in Stuttgart beinahe die Behauptung, auch schwierige Städte seien regierbar, sogar mit recht liberaler Hand. Bleibt für die SPD Freiburg und Mannheim, dessen Oberbürgermeister Wilhelm Varnholt, der kürzlich gestorben ist, die Stadt für die SPD noch einmal ganz knapp erobert hatte. Dort wird für die Neuwahl an einen jungen Nachfolger aus der Stadtpolitik gedacht.