Eine stürmische Sitzung im Bundestag. Von ständigen Zwischenrufen aus den Reihen der CDU und CSU unterbrochen, versucht ein junger Sozialdemokrat, seine provozierende Rede zu Ende zu bringen: „Wir wollen Deutschland sicherlich nicht schutzlos lassen ...“

(Zuruf von der Mitte: „Das machen Sie aber!“) „... und erst recht nicht den Sowjets ausliefern ... Weswegen sind Sie denn nicht bereit, über die atomwaffenfreie Zone zu sprechen, damit in Polen, damit in der DDR, damit in der Tschechoslowakei, damit bei uns keine Atomwaffen stationiert werden? Warum machen Sie keine Vorschläge?“

(Zuruf von der CDU/CSU: „Was hat denn Strauß gemacht?“)

„Weswegen kann man nicht aus der atomwaffenfreien Zone eine Zone entwickeln, aus der Schritt für Schritt und in gleichen Prozentsätzen die stationierten Kräfte der Sowjets wie auch der Amerikaner abgezogen werden?“

Der Abgeordnete, der sich da lautstark gegen die Regierungsparteien durchsetzt: Helmut Schmidt. Die Bundestagsdebatte fand am 22. März 1958 statt.

Klaus Vack, ein damals gerade 22 Jahre alter Juso, der die Debatte im Rundfunk mithörte, erinnert sich noch gut an einen der fast verzweifelt klingenden Schlußsätze Schmidts: „Warum wollen Sie über das alles nicht wenigstens reden?“

Für Vack stand fest: „Helmut Schmidt hat recht. Nur eine atomwaffenfreie Zone kann die Bundesrepublik auf Dauer vor dem atomaren Schrecken bewahren.“ Vack wurde Aktivist in der von der SPD und vom DGB eröffneten Kampagne „Kampf dem Atomtod“ und dann, als sie von der Partei abgeblasen wurde, Organisator der Ostermärsche in den Jahren 1960 bis 1969.