Mönchen: „Bilder Symbole Zeichen“

Ein ziemlich blasser Titel für eine durchaus farbige Ausstellung, die – was leider selten geschieht – die vorhandene Raumsituation in der Haidhausener „Fabrik“ optimal nutzt. Die Arbeiten machen nicht den Eindruck, als ob sie sich genierten, in einer etwas schäbigen Umgebung zu sein, ganz im Gegenteil. Man hat den Eindruck, die Künstler hätten die Werkstattatmosphäre als Herausforderung begriffen, etwas zu versuchen, das in gepflegten Museumssälen schlecht möglich ist – nämlich unter Bedingungen, die durch den früheren Zweck der Räume gegeben sind, in einer Situation, die der Wirklichkeit einer verschmutzten Umwelt genauer entspricht, die Phantasie gegen die Häßlichkeit zu mobilisieren. Dazu reicht es vielleicht schon aus, wie Claude Wall in einer Rauminstallation vorführt, mit einer farbigen Markierung auf einer verschmutzten Wand den Gegensatz sichtbar (und damit bewußt) zu machen, oder durch elliptisch gebogene Eisenstäbe, die sich in den Raum vorwölben, die Wand, an der sie befestigt sind, zu neutralisieren (Ilse Teipelke). Die konstruktiven Gebilde von Bernd Hennig, die eine technisierte, durch Blattgold verbrämte Ästhetik in Anspruch nehmen, behaupten sich in dieser Umgebung allerdings weniger als die hölzernen Strukturen von Manfred Lepold – hier steht an die Technologie angepaßte Eleganz gegen eine Derbheit, die aber überzeugt durch die Art, in der klobiges Baustellenmaterial sich in spielerische Form verwandelt. Petr Hrbeks Malerei, genauer: eine Malerei, die Environmentcharakter hat, die sich in den Raum ausdehnt, wehrt sich gegen ihre nüchterne Umgebung, versucht, aus farbigen Gesten einen Paravent herzustellen, der den kreativen Freiraum vor einer als häßlich erkannten Wirklichkeit beschützt. Das bleibt wohl eine Utopie. Utopische Dimensionen hat auch Friedrich Wessbechers plastisches Ensemble mit dem Titel „Wie man heute wahre Liebe und Glück findet“. Das ist, mit Versatzstücken aus der Wegwerfproduktion gestaltet, eine Antwort auf Watteaus Kythera-Vision – in einem Meer aus Papierschnitzeln, zerkleinert vom Reißwolf, und Plastikflaschen fährt ein weißes Schiff hinter einem schwarzem Schlepper auf eine archaische Venus-Statue und einen schwarzen Altar zu. Die poetische Vorstellung, die hinter dieser Reise zur Insel der Glückseligkeit steht, wird durch die verwendeten Materialien sofort denunziert – Fundstücke vom Müll enthalten nicht mehr das Versprechen auf Schönheit. (Fabrik Lothringer Straße 13 bis zum 22. April, Katalog 11 Mark)

Helmut Schneider

Wichtige Ausstellungen

Berlin: „Deutsche Kunst des 20. Jahrhunderts aus dem Busch-Reisinger-Museum“ (Bauhaus-Archiv bis 17. 4., Katalog 35 Mark)

Berlin: „Ferdinand Hodler“ (Nationalgalerie bis 24. 4., Katalog 45 Mark)

Bielefeld: „Chia – demente – Cucchi: Bilder“ (Kunsthalle bis 17. 4., Katalog 28 Mark)