Von Dietrich Strothmann

Ein schwarzer Tag für den Nahen Osten: In dem portugiesischen Badeort Albufeira wurde der PLO-Beobachter bei dem Kongreß der Sozialistischen Internationale, Issam Sartawi, ermordet. In Amman gab der jordanische König Hussein den endgültigen Fehlschlag seiner Einigungsbemühungen mit dem PLO-Chef Jassir Arafat über eine gemeinsame Verhandlungsdelegation zur Rückgewinnung der besetzten Gebiete in Westjordanien und Gaza bekannt. In Washington mußte daraufhin Präsident Reagan die Aussichtslosigkeit seiner Nahost-Initiative eingestehen. Und in Jerusalem fiel der Startschuß zum Aufbau von 57 neuen Siedlungen im faktisch längst annektierten Jordan-Territorium wie auch zum Ausbau der israelischen Militärstellungen im südlichen Libanon. Dies alles geschah am letzten Sonntag.

Im Kampf um den Nahen Osten – um Heimat, Sicherheit, Ausgleich – ist Krieg noch immer eher möglich und wahrscheinlich als Friede. Und in der endlosen Orgie von Rivalität und Ranküne, von Haß und Mord leiden auch diesmal am schlimmsten wieder jene, um die es in diesem Konflikt vor allem geht: die Palästinenser.

Die Aussicht auf eine Regelung ist trüber denn je. Der Reagan-Plan scheint gescheitert, ehe er wirklich eine Chance hatte.

In seinem grenzenlosen Optimismus hatte der amerikanische Präsident erwartet, mit seiner Friedensinitiative vom September 1982 noch rechtzeitig vor Beginn seines Kampfes um eine neue Kandidatur einen Durchbruch in Nahost zu schaffen. Doch Begin hatte seinen Plan, der auch eine Selbstverwaltung für die Palästinenser vorsah, sogleich schroff abgewiesen – als unpraktikabel und unzumutbar. Jordaniens König Hussein aber, auf den Reagan bei seinem Vorhaben setzte, gelang es nicht, die notwendige Zustimmung seiner arabischen Brüder, das feindliche Syrien voran, zu gewinnen. Der PLO-Chef Jassir Arafat schließlich täuschte sich, wenn er annahm, für seinen Vorstoß bis nahe an den Verhandlungstisch die Zustimmung seiner radikalen Widersacher erlangen zu können.

Die Antwort auf Hussein und Arafat war das Attentat der Damaszener Nidal-Truppe an dem gemäßigten, für Koexistenz mit Israel streitenden Issam Sartawi. Die schnöde Reaktion auf das Scheitern Reagans und Husseins war Menachem Begins burschikoser Befehl: Jetzt erst recht noch mehr Siedlungen, bis in dreißig Jahren am Jordan soviele Juden leben wie heute Araber: 750 000. Die Zeit arbeitet für Israel, hofft Begin.

Mußte es zu diesem Desaster kommen? Ronald Reagan hatte auf einen Schlag gleich mehrere Probleme lösen wollen. Er wollte Camp David seinen Fortsetzungsstempel aufdrücken; wollte das Libanon-Problem bereinigen – wo gerade die 29. Verhandlungsrunde fruchtlos zu Ende gegangen ist; wollte die Palästinenser-Frage lösen, – derentwegen Hussein mit Arafat in sechs Monaten sechsmal vergebens zusammentraf. Dabei hatte der Präsident außer Visionen und Illusionen nichts in der Hand: kein in Wahlzeiten verwendbares Druckmittel, um Israel endlich zum Kompromiß zu zwingen; außer Waffen nichts, um die moderaten Araber auf seinen Kurs zu bringen.