Als ein Überschallknall am vergangenen Samstagnachmittag über die kalifornische Mojave-Wüste rollte, blickten mehr als 100 000 Zuschauer angestrengt in den tiefblauen Himmel. Wenige Minuten später rollte der Donnervogel, die neue amerikanische Raumfähre „Challenger“, planmäßig auf der fünf Kilometer langen Betonpiste des Luftwaffenstützpunktes Edwards aus. Astronaut Story Musgrave war begeistert: „Der Flug verlief besser, als wir erwarteten.“

Bei europäischen Raumfahrtfreunden wollte sich die Jubelstimmung nicht so richtig einstellen. Denn „Challengers“ Jungfernflug war von einigen Pannen begleitet. Der Start am Ostermontag gelang zwar glänzend, doch er kam zweieinhalb Monate zu spät.

Ulf Merbold, nominierter westdeutscher Astronaut, meint nun, „der ganze Terminplan ist durcheinander“. Ob Merbold wie geplant am 30. September in der Raumfähre „Columbia“ zusammen mit einem amerikanischen Astronautenteam und dem europäischen Weltraumlabor Spacelab starten kann, ist ungewiß. Ende April will die Nasa den Starttermin bestimmen. Vielleicht fliegt Spacelab erst im Februar 1984.

Die Nasa-Experten müssen auch beraten, welche Auswirkungen die Panne mit dem jetzt ausgesetzten Nachrichtensatelliten TDRS (Tracking and Data Relay Satellite) hat. Der Kunstmond kam nicht auf seine vorgesehene Umlaufbahn, weil die Zusatzraketenstufe IUS versagte. Techniker versuchen nun, den Satelliten mit seinen Bordtriebwerken in die richtige Position zu bringen. Merbold: „Wenn dies gelingt, verringert sich die Lebensdauer von TDRS.“

Zwei dieser Satelliten sollten den Strom der Meßdaten bewältigen, die im Spacelab anfallen. Dessen Bordcomputer ist zu klein, um die Daten lange genug zu speichern. „Wenn nur ein Satellit ausfällt“, fürchtet Merbold, „muß das Wissenschaftliche Programm wahrscheinlich gekürzt werden.“ Horst Rademacher