Die Praktiken von Metro unter Beschuß

Von Gunhild Freese

Büroartikel, so forderte die Anzeige auf, „da kaufen, wo sie günstig sind, von der Büroklammer bis zum Personalcomputer!“ Doch, obwohl das ganzseitige Inserat am 19. März in nahezu allen großen Tageszeitungen der Bundesrepublik erschien, richtete sie sich keineswegs an preisbewußte Konsumenten, sondern ausdrücklich an Handel und Gewerbe. Die Preise für Uhu-Alleskleber und tesaflim-Ersatzrolle für die Olympia-Schreibmaschine electronic 45 und das Parker-Set waren denn auch nicht – in der Verbraucherwerbung gesetzlich erforderlich – mit Mehrwertsteuer angegeben, sondern als Nettopreise – wie nur im Großhandel erlaubt.

Mit der bundesweiten Anzeigenaktion ging ein Großhandelsgigant an die Öffentlichkeit, die er sonst mit großem Erfolg und allen Mitteln meidet: die Großhandelskette Metro, die in vierzig Märkten in der Bundesrepublik und Berlin weit über zehn Milliarden Mark umsetzt.

Aufsehen erregte das ungewöhnliche Inserat denn auch vor allem bei Einzelhändlern, zugleich Kunden und Konkurrenten der Metro. So protestierte die Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels (HDE) gegen die Werbekampagne des Cash-und-Carry-Branchenführers, weil die Metro sich über ein Versprechen hinweggesetzt habe, das der Selbstbedienungsgroßhandel schon 1970 dem Bundeswirtschaftsministerium gegeben hatte. Danach sollte sich die Werbung auf die Kundenkreise des SB-Großhandels beschränken.

Die Textilwirtschaft, Branchenblatt für Textilfabrikanten und -hänaler argwöhnte daher, Metro breche „mit bisherigen Verhaltensweisen, um gegen sein Umsatzminus anzukämpfen“. Das mag so sein, denn daß „der Einzelhandel, der selber weniger Umsatz hat, jetzt da mehr kauft“, das hält HDE-Sprecher Hubertus Tessar nicht gerade für wahrscheinlich.

Mit dem teuren Werbecoup freilich könnte die Metro auch noch anderes im Sinn gehabt haben. „Das war ein Gruß für uns“, mutmaßt denn auch Helmut Schmalfuß, Hauptgeschäftsführer des, Bundesverbandes Bürowirtschaft, dessen Mitglieder sich just an dem Wochenende, als das Metro-Inserat erschien, in Berlin zu ihrer Jahrestagung einfanden. Zwar bestimmte die Metro-Anzeige die Gespräche am Rande der Versammlung, doch der Gruß, der wohl eher als Einschüchterungsversuch gedacht war, hatte keine Wirkung. „Die Solidarität der Bürofachhändler“, so konstatierte Schmalfuß, „wurde sogar noch größer.“