Erfolgreich in der Krise

Von Hans Otto Eglau

Er hat Weder eine Sekretärin noch einen persönlichen Referenten, öffnet die morgendliche Eingangspost selber und blickt statt auf kostbare Graphiken oder Ölbilder auf Fußballtrophäen, etwas ärmliche Blattpflanzen und ein ungerahmt an die Wand gepintes Churchill-Zitat: „Sozialismus ist die Philosophie des Versagens, das Credo der Ignoranz und das Glaubensbekenntnis des Neids.“

Klaus Steilmann ist auf den ersten Blick wahr lich schwer als einer der erfolgreichsten deutschen Unternehmer der letzten Jahrzehnte auszumachen. Ganz aus eigener Kraft baute der heute 54jährige ehemalige C & A-Einkäufer in den letzten 25 Jahren ein auf Damen- und Kinderbekleidung spezialisiertes Firmenimperium auf, das ungeachtet konjunktureller Höhen und Tiefen beständig mit meist zweistelligen Zuwachsraten glänzt.

Wachstum fest eingeplant

Von seiner an einer stark befahrenen Bundesbahnstrecke im Bochumer Ortsteil Wattenscheid gelegenen Zentrale verkaufte der „Modemacher vom Ruhrschnellweg“ (FAZ) im vergangenen Jahr fünfzehn Millionen Mäntel, Kleider, Kostüme, Jacken und Röcke – genäht in 31 Inlandswerken sowie in Italien und Fernost, Umsatz rund 798 Millionen Mark. Ein weiteres Wachstum ist fest eingeplant: Um die steigende Nachfrage befriedigen zu können, stellte Steilmann sogar im Arbeitslosen-Rekordjahr 1982 noch einmal 280 Beschäftigte zusätzlich ein.

Wie der Kleiderschneider aus dem Revier sind auch die Brüder Albert und Bernhard Schneider, Inhaber der Firma Schneider Rundfunkwerke, ganz auf Expansion eingestellt. Noch vor wenigen Jahren waren die beiden ehemaligen Tonmöbelschreiner selbst aufmerksamen Beobachtern der Unterhaltungselektronik ebenso unbekannt wie die Stätte ihres Wirkens, das Städtchen Türkheim im Unterallgäu. Allen Unkenrufen zum Trotz, daß die deutschen Radio- und Phonobranche unter dem Dauerdruck der Japaner keine Chance mehr habe, produzieren die Bayern als einzige bis heute komplette HiFi-Anlagen in der Bundesrepublik und schlossen im Gegensatz zu vielen Großkonkurrenten sogar das schwere Jahr 1982 noch mit einem Gewinn ab, der immerhin rund drei Prozent des Umsatzes von 325 Millionen Mark beträgt. Im Juli wollen die Außenseiter aus der Provinz sogar mit der Produktion von Stereo-Farbfernsehgeräten beginnen und dazu zweihundert neue Arbeitsplätze besetzen.