Sie sind also nicht für den real existierenden Sozialismus, Herr Heym?

Ich bin für den wirklichen Sozialismus.

Der Schriftsteller Stefan Heym, der am 10. April siebzig Jahre alt geworden ist, und dessen jüngste Bücher in seiner DDR-Heimat nicht erscheinen durften, in der „Tagesschau“ des Deutschen Fernseitens am vergangenen Sonntag.

Bleibt Rowohlt Rowohlt?

Eben noch auf hohen Rossen (und seien es Schaukelpferde) – heute in die Brust geschossen (und seien es Schecks in die Brieftasche): Wenige Tage nach dem Jubelfest zum 75jährigen Bestehen dies Rowohlt Verlages (und zum 75. Geburtstag von Heinrich Maria Ledig-Rowohlt) kommt die Korrektur – den Rowohlt Verlag gibt es gar nicht mehr. Die Nachricht, das Bundeskartellamt habe auf Anfrage bestätigt, die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck habe den Erwero einer Mehrheitsbeteiligung am Rowohlt Verlag angemeldet (und inzwischen die Genehmigung erhalten), muß übersetzt werden. Holtzbrinck hält bereits 26 Prozent des Buchverlages (dem der Taschenbuchverlag, mit Beteiligung von Time/Life, gehört). Die restlichen 74 Prozent des Verlages gehören zu 51 Prozent Heinrich Maria Ledig-Rowohlt und zu 49 Prozent Ernst Rowohlts zweitem Sohn aus anderer Ehe, Harry Rowohlt. Die nächtliche Schreckensnachricht besagt definitiv, daß beide Brüder Kasse machen – und der Rowohlt Verlag nun nur noch Teil eines Imperiums ist (die taz nennt es „Staatsverlag“), zu dem S. Fischer wie Droemer wie Kindler gehören; nicht nur auf dem Taschenbuchmarkt eine geballte Macht. Ob das allerdings, was die Literatur betrifft, nicht eher zu einer geballten Ohnmacht wird, steht zu befürchten. Das Fest ist aus, die Gäste gingen. Werden die Autoren kommen?

Residenz bleibt Residenz

Von „Gerüchten“ orakelt die Nachrichtenagentur: Der Salzburger Residenz Verlag werde verkauft. Die Gerüchte sind gar keine. Sie entsprechen der Wirklichkeit. Damit hat sich Wolfgang Schaffler, wieder einmal, als der verantwortungsbewußt handelnde Verlag erwiesen, der in drei Jahrzehnten, aus nichts, einen blühenden Verlag aufgebaut hat. Bei „Residenz Salzburg“ denkt man längst nicht mehr nur an den Palast der Fürsterzbischöfe im Schatten des Doms, sondern an viele schöne, auch schön ausgestattete, und vor allem wichtige Bücher: Der Residenz Verlag ist zu einem der bedeutendsten Editionshäuser zeitgenössischer Literatur deutscher Sprache geworden. Wenn einer vierundsechzig wird, denkt er an die Versorgung seiner Kinder. Für Schaffler sind das – seine Autoren: „Der Verlag soll nicht von meinem Alter und meiner Gesundheit abhängen.“ Aus einer Position der Stärke, wie sie sich heute kaum ein Verleger von Belletristik leisten darf, kann Schaffler versuchen, sein Lebenswerk für die Zeit, da er selber den Verlag nicht mehr leiten könnte oder möchte, zu sichern – mit vier Bedingungen: Ein Käufer muß aus Österreich kommen, muß den Kaufpreis aufbringen, das Betriebskapital für einen aufwendigen literarischen Verlag nachweisen und die Beibehaltung der bisherigen Linie garantieren können (Schaffler als Geschäftsführer, Jochen Jung als Lektor). Wer denkt da nicht an den „Österreichischen Bundesverlag“: Will das Staatsunternehmen neben seinem Schulbuch-Programm nicht eine Literaturabteilung aufbauen? Den Vorwurf der Einmischung nicht scheuend, richten wir dringende Wünsche an die Ministerialen im Nachbarland: Rettet den Residenz Verlag jetzt, solange noch gar nichts zu retten, sondern nur etwas zu gewinnen ist.