Moskau: Die Bibel hat doch recht

Die Iswestija, das Blatt einer Regierung, die sonst der Religion nicht gerade wohlgesonnen ist, bescherte ihren Lesern ein biblisches Wunden Mit neun Zitaten aus der Heiligen Schrift predigte der Moskauer Patriarch Pimen in einer offenen Botschaft gegen die Rüstungspolitik des amerikanischen Präsidenten. Aus Sorge um das „Wohlergehen der Menschheit“ (Lukas 2, 14) wende er sich an Reagan: „Es ist nicht an mir, Sie, Herr Präsident, an eines der höchsten göttlichen Gebote zu erinnern: ‚Du sollst nicht töten!“ (2. Moses 20,13). Er warnte vor einem atomaren. „Armageddon“ (Offenbarung 16,16). Jeder sei „nicht nur für seine Taten, sondern auch für seine Worte verantwortlich“ (Matthäus 15,11). Ausgehend von den Reden des Präsidenten, fragte Pimen: „Gibt es denn einen Grund dafür, den Stein auf mein Land zu werfen?“ (Johannes 8,7). In der Sowjetunion gebe es keinen Menschen, „der einen Krieg zum Ruhm des goldenen Kalbs entfachen würde“ (3. Könige 12,28-32) – da irrte der Patriarch: wenn schon, dann bitte „1. Könige ...“. Pimens Botschaft muß außerdem den Genossen der SED schrill in den Ohren klingen: Nur wenn man den göttlichen Geboten folge, so riet er Reagan, komme man „zu der wohlgesegneten Zeit, zu welcher nach den Propheten Jesaja die Völker ihre Schwerter zu Pflugscnaren machen“.

„Weder angenehm noch heldenhaft“

Ein Ohr und einige Haare waren die kläglichen Überreste eines Weißen nach einem Sabotageakt auf die Bahnlinie Moçambique-Zimbabwe. Der Mann war seiner eigenen Mine – versehentlich, versteht sich – zum Opfer gefallen. Als zwei Wochen darauf Südafrikaner eben diese Linie in Mocambique angriffen, mutmaßte man, daß Ohr und Haar einem der Südafrikaner gehören könnten. Den Clou lieferte der Verstorbene selbst: Die Fragmente eines Romans wurden unter seinen Sachen gefunden. Der Autor entpuppte sich als Leutnant Alan Gingles, dessen Karriere von dem notorischen Ulster Defence Regiment in Nordirland über das englische Militärcollege Sandhurst bis hin zu Ian Smiths „Selous Scouts“ reichte, und der schließlich, nach der Unabhängigkeit Zimbabwes, sich der südafrikanischen Armee anschloß. Der Roman, auf Gingles Erfahrungen in Nordirland basierend, äußert den zukunftsträchtigen Satz, den sein Erfinder vielleicht erst viel zu spät als richtig erkannte: „Der Tod, das wußte er jetzt, war weder angenehm noch heldenhaft.“

Prompte Bestätigung

In der vorigen Woche berichtete der südafrikanische Journalist Allister Sparks in der ZEIT über die verschärfte Unterdrückung der Presse in seinem Land. Am selben Tag, an dem die ZEIT Sparks’ Artikel veröffentlichte, erlebte er einen neuen Beweis für die Richtigkeit seiner Vorwürfe. Die Sicherheitspolizei schickte seiner Frau eine Vorladung ins Haus. Suzanne Sparks wird sich vor Gericht gegen den Vorwurf verteidigen müssen, Unterlagen ihres Mannes versteckt zu haben, als die Polizei neulich die Wohnung des Ehepaares in Johannesburg durchsuchte. Gegen Sparks, der für Zeitungen und Zeitschriften in mehreren Ländern über Südafrika berichtet, ermitteln die Sicherheitspolizisten, weil er in einem seiner Artikel eine nach den Gesetzen des Landes „gebannte“ Person zitiert hatte.