Michael Holzach, ZEIT-Redakteur bis 1978 und Autor ungewöhnlicher Erfahrungsberichte wie „Deutschland umsonst“, ist tot. Der 36jährige ertrank bei dem Versuch, seinen Hund Feldmann aus dem „toten Fluß“ Emscher zu retten. Rüdiger Dilloo, der Holzach aus gemeinsamer Redaktionsarbeit kannte, schickt ihm einen Nachruf.

Lieber Michael! Du bist tot, aber ich will glauben, daß du uns wahrnimmst. Du bist in den Fluß gesprungen, das Leben deines Hundes zu retten, du hast deinen Tod dabei gefunden. Aber ich will glauben, daß dein Tod nichts war als ein Moment, der Augenblick des Durchgangs. Feldmann rutschte von der Böschung ins Wasser, du sprangst ihm nach, konntest ja gut schwimmen, doch die Emscher, die du den toten Fluß genannt hast, die Emscher hat dich fortgerissen, ist dein Kopf gegen einen Brückenpfeiler geschlagen? Wurdest du bewußtlos? Die Feuerwehr zog deinen Hund heraus, lebend, später fanden sie deinen toten Körper.

Es stand so in der Zeitung. Es hieß, daß du an der Emscher mögliche Drehorte ausgesucht hast, zusammen mit einer Fernsehregisseurin. Dein Buch „Deutschland umsonst“ sollte verfilmt werden, dein Bestseller, wie der Verlag ihn nennt.

Michael! Ich könnte wütend werden, wenn ich den Gedanken zuließe, daß du wegen eines Projektes der Medien gestorben bist. Aber so will ich nicht denken. Eine Zeitlang haben wir uns beide mit dem Konflikt herumgeplagt, ob wir Journalisten nicht anmaßend das Leben vermarkten; das Leben von Fremden gerade dann, wenn wir uns sozialkritische Themen vornehmen, unser eigenes Leben, wenn wir über uns selbst schreiben. Dann haben wir beide gekündigt, voller Zweifel am Reporter- und Redakteursdasein.

Seither hast du drei Bücher geschrieben, ich habe Kühe gemolken. Unsere Wege gingen auseinander, aber mein Gefühl ist, daß wir uns weiterhin aneinander gemessen haben. Du suchtest meine Kritik, wenn deine Bücher herauskamen, wenn du dich auf dem Medienkarussell hast herumdrehen lassen. Und ich, wenn ich dich las, wenn ich spürte, wie du wächst auf deinem ausgesetzten Weg, ich fühlte dich oft wie einen Stachel, fühlte mich zu etwas aufgefordert in der gelegentlichen Selbstvergessenheit meines Aussteigerlebens.