Hervorragend Floh de Cologne: "Faaterland". Noch bis zum 14. Mai nehmen sie auf ihrer nun also letzten Tournee Abschied: Das Kölner Rock-Kabarett löst sich auf. Seit 1966 hat es, von Theater spielenden Studenten gegründet, mit Phantasie politische Kritik geübt, um aus Ohnmacht Einsicht zu machen und den Mut, sich zu wehren, zu wecken. Seine Themen waren das Vaterland und der Profit, Vietnam und der Radikalenerlaß, Arbeit und Arbeitslosigkeit, das Militär und die Jugend, die Natur und ihre Schändung. Sie verstanden sich auf Witz und Bosheit, liebten den Aufschrei und die Clownerie, die haben eine Menge Spaß und eine Menge Ärger gemacht. Sie waren (fast) immer interessant, sie haben sich eine einfallsreiche Variante des Rock erfunden und daneben nicht die Ballade und das Chanson vergessen. Zwölf Schallplatten sind in den siebzehn Jahren entstanden, die letzte ist nun heraus: "Faaterland". Sie zeigt die "Flöhe" in ausgewachsenem Zustand und auf der Höhe – es lohnt sich, über ihrer Erinnerung nachzusinnen: "Es gab eine Zeit, da wurden aus Stahlhelmen Küchensiebe gemacht. Es gab eine Zeit, da hat keiner mehr an Kanonen gedacht, da wollte keiner mehr ziehen in die Schlacht, da hat keiner an Nachrüstung gedacht..." (Verlag "pläne" 88 319)

Manfred Sack

Verdienstvoll

"La Favola di Orfeo" auf den Text des aus dem toskanischen Montepulciano stammenden und in Florenz und Mantua als Hofpoet wirkenden Angelo Ambrogini genannt Poliziano wird den "rappresentazione" zugeordnet, jenen höfischen wie kirchlich-kultischen Festspektakeln, die wegen der musikalischen Umrahmung der Textdeklamation wie der chorischen oder solistischen Versdarbietung als Vorläufer der Oper gehandelt wird. (Die verschollenen Musiken hat man hier aus zeitgenössischen Drucken zurückgewonnen.) Im strengeren Sinne sind es vorwiegend auf Tanzrhythmen gesetzte Chansons oder bis zu vierstimmigen Frottolen, zwischen denen die sogenannten Intermedien eine Art Stück im Stück oder eine selbständige Reihe von Zwischenspielen liefern. Renaissance-Musik also, die Freude und Schmerz hinter Etikette und Zeremonie verbirgt. Paul van Nevel, der musikalische Rück-Bearbeiter, und ein sechzehnköpfiges Ensemble präsentieren ein so munteres wie inniges, so frisches wie nach innen hörendes Arrangement von äußerst lebendigen Musiken, die zeigen, wie sich langsam eine Kunst aus den starren Regeln befreit und mit Spontaneität sich ihren unbekannten Weg sucht. Für jeden, der wissen möchte, wie die Oper vor der Oper geklungen haben könnte.

(SEON/RCA 30 856, 2LP) Heinz Josef Herbort