DIE ZEIT

Moralisches

Von Ronald Reagan sind wir gewohnt, daß er die Moral beschwört, wenn es um handfeste Rüstung geht. Jurij Andropow hat es ihm jetzt gleichgetan.

Geburtstag

Der eifrigste deutsche Rundfunksender ist hierzulande so gut wie unbekannt, obwohl er am 3. Mai schon seinen dreißigsten Geburtstag feiern kann – die "Deutsche Welle", die in 34 Zungen sprechende Kurzwellen-Stimme der Bundesrepublik für die Welt und die Deutschen im Ausland.

Nothelfer

Um seine Nahost-Mission ist der amerikanische Außenminister George Shultz wahrlich nicht zu beneiden. Henry Kissinger war da 1973 in einer vergleichsweise aussichtsreicheren Situation: Damals wollten die Kriegsgegner Israel und Ägypten am Suezkanal ihre Truppen entflechten und damit den Grundstein für den Frieden legen.

Kreiskys Abschied

Nun also verläßt Bruno Kreisky das Palais am Ballhausplatz, in dem alle österreichischen Kanzler seit Maria Theresias Tagen amtiert haben – von Kaunitz über Metternich bis zu Dollfuß, der dort am 25.

Damit Deutschland nicht zerplatzt

Die gespenstische Vision stammt von Walter Rathenau, zu Papier gebracht unter dem Alp, "daß Deutschland zerplatzt", kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs: "Ein behäbiger Rheinbund größten Stils von Konstanz bis Hannover wird pfleglich behandelt, und in der Form einer Republik Brandenburg bleibt das Nest der Sünde übrig, außerhalb deutscher Beziehungen und menschlicher Gemeinschaften, ein Wendenland, dem man es überläßt, zum Heidentum zurückzukehren oder sich nach den Methoden Bela Kuns zu verwalten .

Zeitspiegel

Seit 1964 sanken die durchschnittlichen Ergebnisse beim Scholastic Aptitude Test‚ dem standardisierten Intelligenztest, an dem jährlich über eine Million 17- und 18jährige Amerikaner teilnehmen, die sich um die Aufnahme ins College bewerben.

Polen vor dem 1. Mai: Zwölf Uhr mittags in der Kathedrale

Aus dem Meer der Menschen heben sich, wie von einer plötzlichen Woge getragen, ungezählte Kreuze zum Himmel. Gleich einem tausendfachen Schwur strecken sich die zum V-Zeichen gespreizten Finger dem blassen Mond entgegen.

Worte der Woche

"Bundeswirtschaftsminister Graf Lambsdorff muß vom Teufel geritten sein, wenn er mit rüden Attacken, die aus der SED-Zentrale stammen könnten, einen Streit zwischen FDP und CSU vom Zaune brechen will.

Das Wort der Kirche

Die Diskussion über die Sicherung des Friedens in Freiheit ist heute weitgehend auf militärische Strategien und Rüstungsfragen eingeengt.

Krieg darf niemals sein

Ohne sonderliche Dringlichkeit hatten die katholischen Bischöfe der Bundesrepublik vor vier Jahren ein Leitwort zur Friedensthematik ins Auge gefaßt.

Gerd Bucerius zu Fragen der Zeit: Drôle de guerre

Helmut Kohl konnte die Wahl am 6. März nicht besser gewinnen: Die FDP im Bundestag; die CDU nur fast die absolute Mehrheit, so daß er Strauß nicht als Außenminister zu nehmen brauchte: den würde er zwar noch im Nacken, aber nicht im Kabinett haben.

Ein schönes Programm

Wer wollte nicht endgültig wissen, was es ist: das Wahre, Schöne, Gute, hinter dem alle schlechte Wirklichkeit verdientermaßen versinkt.

Portugal: Soares gewinnt

Mit 36,3 Prozent und 99 von 250 Mandaten kann Soares nicht allein regieren. Als Soares tionspartner bietet sich die (liberale) Sozialdemokratische Partei (PSD) an.

Polen ohne Solidarność

Von September 1980 bis Dezember 1981 schien die Solidarnořć eine spontane Kraft zu sein, die unbeirrbar das gesellschaftlich-politische Antlitz Polens umgestaltete.

Landschaftsplanung: Vom Grün zum Green

Gut Silk erreicht man heute am besten zu Fuß. Der Europawanderweg führt östlich von Hamburg am fast verlassenen Gutshof auf einer Allee zwischen Wäldchen und Ackerland vorbei.

Zum Tod von Michael Holzach: Dank für Mut und Treue

Michael Holzach, ZEIT-Redakteur bis 1978 und Autor ungewöhnlicher Erfahrungsberichte wie "Deutschland umsonst", ist tot. Der 36jährige ertrank bei dem Versuch, seinen Hund Feldmann aus dem "toten Fluß" Emscher zu retten.

Öffentliches Anliegen: Wie ein Profi beworben

Eigentlich sollte es keiner merken, still und leise wollte Michael Lutter abends die Plakatwand bemalen. Doch Werder Bremen hatte ein Flutlichtspiel, Hunderte Zuschauer kamen an der Tafel der Deutschen Städtereklame vorbei und sahen, was der 25jährige Michael an alle Werbeagenturen schrieb: "Suche Lehr- oder Praktikumsstelle!" Pfiffiges Kerlchen, armes Schwein, alter Schmierfink – das bekam Michael zu hören.

KSZE-Folgetreffen: Vorwärts im Schneckentempo

Die schummrige Beleuchtung des Saales im Kongreßpalast suggeriert Beruhigung, Friedfertigkeit. Nur das Präsidium auf der Bühne und die Fahnen der 35 Teilnehmerstaaten sind in gleißendes Hell getaucht.

Wolfgang Ebert: Opfer für den Aufschwung

Erfreulicherweise nimmt diese Regierung die Sorgen ihrer Mitbürger sehr ernst. Darum hat sie in Bonn eine Beschwerdestelle eingerichtet, deren Leiter, Herr Stössel, seine Besucher von der Notwendigkeit der geplanten Sparmaßnahmen überzeugen soll.

Hinweis

Die Entstehung des Wohlfahrtsstaates in Großbritannien und Deutschland 1850-1950. Hrsg. von Wolfgang Mommsen in Zusammenarbeit mit Wolfgang Mock.

Meister mit Moral

Eine Mutter reagierte empört. "Unmoralisch" fand sie die Anzeige, in der eine Lehrstelle gegen Kostenbeteiligung gesucht wurde.

Streiter für die Bauern

Mit ungetrübtem Selbstbewußtsein ging Bundeslandwirtschaftsminister Ignaz Kiechle in dieser Woche in die zweite Verhandlungsrunde des EG-Agrarministerrates über die Neufestsetzung der "gemeinsamen" Erzeugerpreise für Landprodukte der zehn Gemeinschaftsländer.

Großbritannien: Etappenziel

Beim Stichwort "England" fällt einem einiges ein: Streiks, zweistellige Preissteigerungsraten, militante Gewerkschaften, Klassengesellschaft, schlechtes Management.

Bonner Kulisse

Persönliche Referenten von Ministern und Staatssekretären in Bonn gehören zu den wichtigsten Leuten an der Regierungsspitze.

Finanzgerichte: Rechtsstaat

Einer, der es wissen muß, hat sich über die Gesetzesflut im Steuerrecht beklagt – der scheidende Präsident des Bundesfinanzhofs, der Ende März in den Ruhestand ging.

Tarifpolitik: Gutes Beispiel

Das Vorurteil sitzt tief: Gewerkschaftliche Tarifpolitik ist einfallslos und nur auf Prozente ausgerichtet. Daß es den Arbeitnehmerorganisationen aber nicht nur ums liebe Geld geht, bewies die Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV) bei ihren Tarifverhandlungen.

Neuerscheinungen: Führen in Verantwortung

Marktwirtschaft ist von ihrem theoretischen Ansatz her, so wie sie von Adam Smith, seinen zeitgenössischen Mitstreitern und geistigen Nachfahren konzipiert worden ist, eine prinzipiell unethische Veranstaltung.

Frankreich: Paris entdeckt die Patrons

Aus dem Lager der französischen Unternehmer sind ungewohnte Töne zu vernehmen. Statt die üblichen Klagelieder über die drückende Last der hohen Kosten, Steuern und Abgaben anzustimmen, haben die "Patrons" dem Sparprogramm der Regierung Beifall gespendet.

Angst vor dem Tribunal

Japan zählt zu den wenigen Ländern, die ihren Markt maximal geöffnet haben", befand Japans damaliger Außenminister Sakurauchi in seinem Grundsatzreferat vor den Delegierten von 86 Nationen, die im vergangenen Herbst zur Gatt-Tagung nach Genf geeilt waren.

Indien: Ein Wagen für das Volk

Wer sich in Indien vor acht Wochen noch einen Gebrauchtwagen kaufen wollte, der tat gut daran, sich ein mindestens zehn Zentimeter dickes Bündel von Hundert-Rupien-Scheinen einzustecken.

Großbritannien: Die Lemminge stoppten am Abgrund

Margaret Thatcher setzte sich an das Steuer des roten "Maestro", legte nach der Mahnung der computergesteuerten Stimme den Sicherheitsgurt an, fuhr vor ihrem Amtssitz in Downing Street einmal hin und einmal her und verkündete nach der Probefahrt das Urteil: "Es ist ein sehr, sehr gutes Auto.

Rentenversicherung: Schon wieder läuten die Alarmglocken

Bundesarbeitsminister Blüm muß in diesen Tagen eine Lektion lernen, die schon seinen Vorgängern schwer zu schaffen gemacht hat: Die Finanzen der Rentenversicherung entwickeln sich zumeist anders und schlechter, als es Politiker und Fachleute vorausberechnet haben.

Konzept fehlt

ZEIT: Herr Haar, die Bundesbahn wird von Jahr zu Jahr mehr zu einem Problem, sowohl für den Bundesfinanzminister als auch für ihr Personal.

Österreich: Auf dem Weg zur 35-Stunden-Woche

Die Stande der 35-Stunden-Woche könnte in Österreich bald schlagen. Die Steyr-Daimler-Puch AG, Produzent von Fahrzeugen aller Art, verhandelt derzeit mit der Belegschaft, um die Wochenarbeitszeit vorerst für ein Jahr auf 35 Stunden zu verkürzen.

MANAGER UND MÄRKTE

Eine neue Runde im Gerangel um die Zigarettenraucher läutete diese Woche die Hamburger BAT Cigarettenfabriken ein – mit ihrer neuen Billigmarke Cortina No.

Im Giftschrank wird aufgeräumt

So richtig geschlossen waren die Reihen der deutschen Chemieindustrie diesmal nicht. Voller Furcht, daß durch den Skandal um das verschobene Seveso-Supergift Dioxin die Branche wieder als Umweltsünder gebrandmarkt würde, ging der Verband der Chemischen Industrie (VCI) hastig auf Distanz.

Zeit spart Geld

Die Deutsche Genossenschafts-Hypothekenbank hat in diesen Tagen neue Darlehenskonditionen veröffentlicht. Bei 100 Prozent Auszahlung und einer Konditionenanpassung nach acht oder zehn Jahien liegt der Normalzins bei 8,6 Prozent.

Börsen-Report: Zinsärger

Die Renditen bewegen sich auf dem Markt der festverzinslichen Papiere zur falschen Seite hin. Statt zu sinken, wie es volkswirtschaftlich erwünscht wäre, haben sie wieder zu steigen begonnen.

Abgesang auf Strauß: Schwerer Brocken

Und doch habe ich mich immer wieder zur Objektivität in der Beurteilung seines politischen Wirkens ermahnt, weil ich weiß, daß Ellbogenkraft und Schaustellerei leider zum Geschäft unserer Politiker gehören.

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