Die Sucht der Amateurfunker nach möglichst exotischen Kontakten

Von Thomas von Randow

CQ CQ CQ DE 1S3NG ES 1S6SI. Auf diesen Funkruf im Klartext: "An alle, an alle, an alle von den Stationen 1S3NG und 1S6SL" hatten viele tausend Frauen und Männer rund um den Globus an ihren Empfängern gewartet. Am Sonntag, dem 10. April, sollte er um 16.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit auf der Kurzwellenfrequenz 14 320 Kilohertz erklingen. Statt dessen vernahmen die gespannt in den Äther lauschenden Freizeitfunker auf ihrer Welle eine Hiobsbotschaft.

Die vier Funkamateure, die auf der Insel Amboyna Cay der Spratly-Gruppe im Südchinesischen Meer ihre Radiostation aufbauen und den lang ersehnten Lockruf ausstrahlen wollten, so wurde mitgeteilt, seien vor ihrer Landung beschossen worden. Das von ihnen gecharterte Schiff, der Katamaran "Siddhartha", habe dabei Feuer gefangen. Mehr sei ihrem kurzen SOS-Ruf nicht zu entnehmen gewesen.

Die Nachricht veranlaßte Funkamateure aus West und Ost, rund um die Uhr zu versuchen, mit den Verunglückten Kontakt aufzunehmen. Aber ihre fleißig gemorsten QRZ-Rufe (QRZ = Kürzel für "Sie werden gerufen") blieben angehört, jedenfalls von denen, für die sie ausgestrahlt wurden. Einige "Spaßvögel", betrunkene Wichtigtuer vermutlich, setzten gefälschte Funksprüche der "Siddhartha" ab und trugen so zum Leid der Angehörigen und zur Verwirrung der Suchflugzeuge bei. Einer trieb den schlechten Scherz so weit, daß er mit dem gefunkten Gerücht, ein sowjetisches Kriegsschiff habe die Schiffbrüchigen aufgenommen, den Abbruch einiger Suchaktionen bewirkte.

Schüsse vom Eiland

Nicht die drahtlose Kommunikation, sondern ein günstiger Wind, der die Schiffbrüchigen auf eine belebte Schiffahrtsroute trieb, sorgte im letzten Augenblick dafür, daß das Unglück halbwegs glimpflich endete. Laut Aussage der vier geretteten Personen befanden sich auf der kleinen Insel Amboyna Cay Soldaten, denen die Passagiere der "Siddharta" fröhlich zuwinkten. Als Antwort aber kamen Schüsse von dem Eiland. Der 42jährige Diethelm Müller aus Köln wurde getroffen und stürzte ins Meer. Er ertrank. Seine drei Kollegen, Gero Band (48), Norbert Willand (33) und Baldur Drobnica (48) sowie der verletzte Skipper des Schiffs, Peter Marx, und dessen Frau Jenny Toh konnten den brennenden Katamaran verlassen.