Die Reihe der in den letzten Jahren erschienenen Architektur-Sachbücher für Kinder ist um einen weiteren Titel dieses Genres erweitert worden –

Christopher Fagg/Adrian Sington: "Brücken, Burgen, Pyramiden"; Herder Verlag, Freiburg; 80 S., 29,80 DM.

Den neuen Buchtyp hatte David Macaulay vor zehn Jahren mit seinem Sachbuch "Sie bauten eine Kathedrale" geschaffen: Am erdachten Modell einer gotischen Kathedrale erläuterte er mit Text und Graphik das Entstehen eines Monumentalbaus im Mittelalter. Akribische Federzeichnungen begleiteten den hervorragend anschaulichen Text: Grundrisse, Aufrisse, Konstruktionsdetails und kühne perspektivische Ansichten des versierten Architekten und Designers machten den Kindern deutlich, welche Materialien, Werkzeuge und Konstruktionsmethoden die Baumeister vor Jahrhunderten verwandten. Diesen geglückten Versuch, schon Kindern architektonische Probleme klarzumachen, setzte der Autor mit vier weiteren Titeln fort; so entstanden "Eine Stadt wie Rom", "Wo die Pyramiden stehen", "Es stand einst eine Burg" und "Unter einer Stadt".

Während Macaulay konsequent und detailliert jeweils einen abgegrenzten Bereich der Architektur abhandelt, möchten Fagg und Sington für den kindlichen Leser einen Querschnitt, eine Art illustrierter Baugeschichte über Jahrtausende geben: von den Hütten der Mammutjäger bis zu den Palästen der Renaissance. Der Methodik Macaulays folgend zeigen die beiden englischen Autoren nicht nur die vollendeten Bauwerke, sondern erläutern die Entstehungsweise und handwerklichen Techniken.

Ein Team von Illustratoren hat diese baugeschichtliche Übersicht mit Farbtafeln ausgestattet. Es sind in realistischer Manier vorgestellte Bilder, die die jeweilige Epoche illustrieren. Während Macaulay Schwarzweiß-Zeichnungen zur Veranschaulichung wählte, gibt dieses Buch vor allem malerische Gesamtansichten, die jedoch an die fachliche Qualität der Macaulayschen Illustrationen nicht heranreichen.

Fagg und Sington führen quer durch die Jahrtausende an Beispielen vor, wie auch ohne moderne Technologien wahre Wunderwerke der Baukunst entstehen konnten: von den prähistorischen Anfängen bis zur Renaissance. Gezeigt und erläutert werden vorgeschichtliche Siedlungen, Königspaläste auf Kreta, römische Thermen oder die kühne Ingenieurkonstruktion der Florentiner Domkuppel. Eine Zeittafel veranschaulicht die geschichtliche Entwicklung verschiedener Kulturstufen auf mehreren Kontinenten. Zwischen der vorangestellten tabellarischen Übersicht und dem eigentlichen Sachbuchtext gibt es Widersprüche. Während zum Beispiel die Zeittafel das Entstehen von Bauerndörfern in Mittelamerika in die Zeit zwischen 4000 und 2000 vor Christus verlegt, heißt es im Textteil des Buches: "Um 15 000 vor Christus waren die Indianer Mittelamerikas geschickte Bauern ..." Solche Ungereimtheiten ver-

wirren den kindlichen Leser, der ohnehin von der gewaltigen Stoff-Fülle überwältigt wird.