Zur politischen Wende gehört, in Bonn wie auch anderenorts, ein Revirement des Personals. Zwar hat es davon schon einiges gegeben, seit Helmut Kohl am 1. Oktober des vergangenen Jahres seinen ersten Amtseid als Bundeskanzler geschworen hat. Doch die Anhänger der Unionsparteien in den Bonner Ministerien denken über das Personalkarussell ähnlich wie die Befürworter einer Wirtschafts-, finanz- und sozialpolitischen Wende: Jetzt müsse es erst richtig losgehen. Die "Seilschaften" der Union in den verschiedenen Ministerien, überaus kopfstarke Populationen, trippeln unruhig auf der Stelle; noch immer werden Aufstiegsträume geträumt und Vorgesetzte mit SPD-Parteibuch dorthin gewünscht, Wo sie alsbald landen sollen.

In der Wirklichkeit gibt es natürlich längst nicht so Viele Aufstiegsmöglichkeiten wie Bewerber, und längst nicht alle Minister scheinen bereit zu sein, Parteizugehörigkeit höher zu bewerfen. als Qualifikation. Zu den Zurückhaltenden gehört Gerhard Stoltenberg. Gewiß, der Bundesfinanzminister hat gleich in den ersten Tagen nach seinem Amtsantritt im letzten Herbst kräftig zugeschlagen. Noch immer aber finden sich unter seinen Abteilungsleitern, Von den Leuten mit dem "richtigen" Parteibuch ungeduldig registriert, zwei Sozialdemokraten: Eberhard Hubrich und Kurt-Dieter Wagner. Kippen auch sie?

Als Nachfolger Wagners, der für die Verwaltung des industriellen Bundesvermögens Zuständig ist, wird bereits Christian Zschaber, noch amtierender Hauptgeschäftsführer des unternehmemahen CDU-Wirschaftsrats, genannt. Für seinen Vorgänger beim Wirtschaftsrat, Johann-Dieter Hellwege, war immerhin ein Plätzchen als Staatssekretär in der niedersächsischen Landesregierung frei – da, so mag sich Zschaber gedacht haben, werde er doch wenigstens als Ministerialdirektor in Bonn unterkommen können.

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Zschaber ist immerhin bereits der zweite Verbandsgeschäftsführer aus dem Dunstkreis der Union, der gern in die Dienste des Bundes treten möchte. Vor ihm hat es bereits Peter Spary von der CDU-Mittelstandsvereinigung versucht. Freilich waren alle Bestrebungen – zeitweise wurde sogar der Kanzler um Vermittlung bemüht –, Spary als Leiter der mittelstandspolitischen Abteilung ins Bundeswirtschaftsministerium zu hieven, wo er den FDP-Mann Ernst von Beauvais hätte verdrängen müssen, ohne Erfolg. Der zuständige Hausherr, Otto Graf Lambsdorff, mochte nicht mitspielen – ihm reichte es, daß er bereits den CDU-Bundestagsabgeordneten Rudolf Sprung als Parlamentarischen Staatssekretär in sein Haus hat übernehmen müssen.

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Seit fast einem Vierteljahrhundert gehört er zur Bonner Stammbesatzung, er ist bekannt wie ein hinter Hund und, was ihm selbst seine Gegner kaum werden bestreiten können, im Kampf um Pfennige und Prozente einer der Erfolgreichsten. Und doch: Alfred Krause, Vorsitzender des Deutschen Beamtenbundes (DBB), wird sich im kommenden November, auf dem Bundeskongreß Seiner Organisation, eines Gegenkandidaten erwehren müssen. Der heißt Werner Hagedorn und ist Vorsitzender der Deutschen Steuer-Gewerkschaft, einer ziemlich militanten Organisation der Leute aus den Finanzämtern. Für Krause ist das neu – gegen ihn ist zuvor noch niemand angetreten.