Franzosen, Italiener, Briten und Griechen wissen sich bei Reisen ins Ausland zu helfen

Madame Danielle Mitterrand wollte ein Zeichen der Solidarität mit ihren Landsleuten setzen und blieb zu Hause. In einer Zeit der Devisenzwangswirtschaft für Auslandsreisen reiste François Mitterrand als Strohwitwer zum Staatsbesuch in die Schweiz. Und auch die Delegation des Präsidenten wurde im Vergleich zu früheren Staatsbesuchen Mitterrands klein gehalten. Selbst die Liste der persönlichen Gäste des Präsidenten war diesmal rigoros zusammengestrichen worden.

Soviel demonstrative Sparsamkeit erscheint im Vergleich zu dem, was von den vor vier Wochen verkündeten Devisenrestriktionen übriggeblieben ist, allerdings etwas übertrieben. Denn schon längst hat Finanzminister Jacques Delors von seinen ursprünglichen Plänen Abstriche gemacht, so daß auch die Schweiz für reisefreudige Franzosen in diesem Jahr nicht völlig unerreichbar bleibt. Um ins gelobte Land der Nummernkonten und Fluchtgeldanlagen zu gelangen, muß man sich nicht einmal mehr der in französischen Zeitungen mit Genuß ausgebreiteten Möglichkeiten zur Umgehung der verschärften Devisenkontrollen bedienen.

Die meisten Tips haben sich sowieso als unbrauchbar erwiesen. Denn wer wird schon die Mühe eines Umwegs über Dakar in Westafrika auf sich nehmen, wenn er nach Kreta will, nur weil er in der Hauptstadt des zur Franc-Zone gehörenden Senegal seine Francs legal in Drachmen umtauschen darf? Schließlich weiß man nicht einmal, ob man dort am Bankschalter die gewünschte Menge überhaupt erhaltenkann. Und wer wird einem portugiesischen Gastarbeiter sein Geld geben und hoffen, daß dessen Familie in Lissabon dem Reisenden aus Paris dann mit entsprechenden Escudo-Beträgen weiterhilft?

Da bleibt im Grunde nur der ebenso einfache wir risikoreiche Weg, sein Geld in der Reisetasche oder im Kofferraum zu verstecken und dann jenseits der Grenzen umzutauschen. Bislang haben sich die französischen Zollbeamten auf die üblichen Kontrollen beschränkt. Weder an den Flughäfen noch an den Grenzübergängen bildeten sich Staus. Nur einige Geschäftsleute mußten am Anfang intensivere Stichproben über sich ergehen lassen.

Seit jedoch der Finanzminister das Zugeständnis machte, daß Geschäftsreisende nicht nur über Devisen im Gegenwert von 1000 Franc verfügen können, sondern auch noch eine Kreditkarte ihres Unternehmens benutzen dürfen, gibt es ohnehin nicht viel mehr als sonst zu kontrollieren. Sofern der Grenzgänger nicht gerade ein Surfbrett unter dem Arm hat, wird der Zollbeamte nur schwer zwischen einem Geschäftsreisenden und einem Touristen unterscheiden können.

Auch bei den Touristenreisen machte Delors Zugeständnisse. Nicht nur die Franzosen, die schon vor dem 29. März bei ihrem Reisebüro gebucht hatten, sondern auch die, die erst jetzt ihre Pauschalreise bei einem Touristikunternehmen kaufen, können Ausnahmebedingungen entgegensehen. So wird, gleichgültig ob es sich um eine Reise nach China oder um einen Hotelaufenthalt in Mallorca handelt, ein Höchstbetrag von 1150 Franc für die Halbpension und von 1750 Franc für die Vollpension festgesetzt, der dem Pauschalreisenden in sein Devisen-Carnet eingetragen wird. Vom frei verfügbaren Devisenbetrag von 2000 Franc für 1983 bleibt da zwar nicht mehr viel als Taschengeld zur Verfügung, aber er darf außerdem 2000 Franc in französischer Währung mitnehmen.