Die Devisen-Karte, die es vom Mai an gibt, kostet den Reisenden 50 Franc. Man kann sich natürlich bei mehreren Banken um solche Karten und Devisen für 2000 Franc bemühen. Die Banken schicken die ausgefüllten Formulare mit Personalien, Kennkarten-Nummer etc. an die Bank von Frankreich. Die Kontrolle der Daten übernimmt aber laut canard enchainé der Zoll Dessen zwei Computer sind bei 260 Millionen Grenzübertritten im Jahr schon jetzt überlastet. Also: entweder faire Chancen für den Schmuggel oder mehrmalige Reisen mit verschiedenen Carnets dank unzureichender Kontrollen oder ein Aufblähen der Bürokratie.

Italiener bleiben zu Hause

Angeschmiert sind nur jene, die für ihre Ferienpläne nicht die Dienste eines Touristikunternehmens in Anspruch nehmen wollen. Ihnen bleibt, wenn sie weder im Rudel in Nepal einfallen, noch per Bus in die Schweiz fahren wollen, nur eins: Wie Madame Mitterrand bis zum Ende des Jahres zu Hause bleiben.

In Italien, wo seit mehr als sieben Jahren strenge Devisenvorschriften gelten, haben sich die Menschen an den währungstechnischen Ausnahmezustand längst gewöhnt. Insgesamt haben die Beschränkungen dazu geführt, daß auf vier Ausländer, die ihren Urlaub in Italien verbringen, nur ein Italiener kommt, der ins Ausland reist.

Zur Zeit hat jeder Steuerinländer einmal im Jahr Anspruch auf 1,1 Millionen Lire in Devisen, das sind nach der jüngsten Abwertung 1750 Mark. Für eine größere Auslandsreise reicht dieser Betrag nicht. Deshalb wollten die italienischen Behörden auf die vielen Proteste hin von Osten an ein paar hundert Mark zulegen, aber Mitterrand hat ein Kuckucksei ins Osternest gelegt. Denn nach Einführung der französischen Vorschriften kündigte der italienische Außenhandelsminister sofort an, Rom müsse nun die vorgesehene Aufstockung des Touristenkontingentes zurückstellen.

Obgleich eine Verletzung der italienischen Devisenvorschriften hohe Geld- und Haftstrafen nach sich ziehen kann und im letzten Jahr die Devisenfalle über fünftausendmal zuschnappte, werden die allgemein in dieser Form als unpraktisch und höchst überflüssig angesehenen Vorschriften mit sportlichem Eifer unterlaufen. Die Italiener, die ins Ausland reisen wollen oder müssen, haben tausendfach Tricks gefunden, um den Kontrolleuren ein Schnippchen zu schlagen.

Da Geschäftsreisen genehmigt werden müssen, nimmt man bei dieser Gelegenheit die Familie und die Freunde mit. Nie hatten Italiener so viele Freunde im Ausland, die ganze Sippen zu einem Besuch einladen und beim nächsten Urlaub zum Ausgleich gerne Gast in italienischen Häusern sind. Zu den halblegalen Möglichkeiten gehört es, daß reiselustige Devisen-Inländer die Devisen-Kopfquoten von Freunden und Verwandten, die nicht mehr reisefähig sind oder nicht ins Ausland reisen wollen, bis ins dritte und vierte Glied ausnutzen. Da die Reisekosten nicht in Devisen bezahlt werden, soweit die Fahrt mit italienischen Verkehrsmitteln stattfindet und bei inländischen Agenturen gebucht wird, kann man Kreuzfahrten auf italienischen Schiffen, Flüge mit Alitalia, Bahnfahrten von einem italienischen Bahnhof buchen, ohne die Devisenquote anzuzapfen.