Strafbar ist es dagegen, wenn man Exporterlöse bei ausländischen Geschäftsfreunden stehen läßt, Millionen italienischer Gastarbeiter sind im Ausland tätig. Viele sparen fleißig jeden Pfennig und Rappen für ihre daheimgebliebenen Lieben. Vor kurzem flog in Mailand ein Ring auf, der das Geld dieser Gastarbeiter im Ausland kassierte, aber auf Auslandskonten zur Verfügung von Italienern stehenließ, die Devisen im Ausland brauchten. Ein raffiniertes Informations- und Auszahlungsnetz besorgte dann die persönliche Auszahlung an die süditalienischen Verwandten der Gastarbeiter in Lire. Die Behörden wiesen dabei Devisenvergehen für vierzig Millionen Mark nach und verurteilten die Mitglieder dieser improvisierten Bank zu hohen Gefängnisstrafen und einer halben Milliarde Mark Geldstrafe, wobei niemand weiß, wie die Rechtsbrecher diese Summe je zahlen sollen.

Normale Touristen verstecken ganz einfach ihre Lire und tauschen sie am Schwarzmarkt gleich jenseits der italienischen Grenze um, wo auch Scheine über hunderttausend Lire ohne weiteres angenommen werden, was inländischen Banken nicht gestattet ist. Normalerweise zwinkern Zollner und Reisende einander ob dieser währungstechnischen Gesetzeskomödie zu. Manchmal wird jedoch die Kontrolle unversehens zur Tragödie. Wer erwischt wird, nun, der hat Pech gehabt. Zu den Unglücksraben zählt ebenso das arme Mütterchen, das in Angstpsychose die letzten Ersparnisse in die Schweiz bringen wollte, wie der größte Privatbanker des Landes, Roberto Calvi, der mit einer Schlinge um den Hals unter der Themsebrücke Black Friars in London endete.

Auch die Griechen haben es längst gelernt, mit der Devisenbewirtschaftung zu leben. Neben den üblichen Tricks vom Geld im Schuh bis zur fingierten Geschäftsreise gibt es aber auch folgenden Weg: Man geht im Hafen von Piräus zu bestimmten Reedereien, zahlt Drachmen ein und läßt sich in einem Auslandshafen in der Niederlassung der gleichen Reederei die entsprechende Summe in Devisen auszahlen.

Auch in Großbritannien gab es seit Kriegsausbruch 1939 bis zum 23. Oktober 1979 Devisenbeschränkungen in wechselnder Strenge. Und wo es Kontrollen gibt, da gibt es Umgehungen.

Hohe Dunkelziffer

Selten wurde ein Tourist gefaßt, der bei der Ausreise Pfunde im Schuh hatte. In der großen Pfund-Krise von 1976 kam es häufiger vor, daß größere Fische ins Netz gingen. So wurden ein britischer Filmproduzent und seine deutsche Frau geschnappt, als sie in Koffern 167 000 Pfund vor dem erwarteten völligen Kollaps der britischen Währung nach Belgien in Sicherheit bringen wollten. Ein Geschäftsmann, der mit 75 000 Pfund an Bord in einem Privatflugzeug auf dem Weg in die Schweiz in Frankreich zwischenlandete, wurde dort festgenommen und ironischerweise wegen illegalen Imports der britischen Währung bestraft.

Die Dunkelziffer ist wahrscheinlich groß für die raffinierten Transaktionen, die sich auf dem Papier abspielten. So stellten Geschäftsleute für Exporte oder im Ausland erbrachte Dienstleistungen niedrigere Rechnungen aus. Der verständnisvolle Geschäftspartner zahlte die Summe auf dem vorgeschriebenen offiziellen Weg. Die Differenz zur wirklichen Rechnungssumme fand den Weg zur Insel nicht.