Von Hermann Bößenecker

Bayerische Bauern sind in Goldgräberstimmung: Die Bayerischen Motoren Werke (BMW) wollen bei Regensburg eine neue Fabrik bauen – und da möchten einige Landwirte in der Oberpfalz ganz groß verdienen. Für ihr Ackerland im Südosten der Stadt Regensburg verlangen sie Preise, die den Marktwert bei weitem übersteigen.

Der Egoismus der Bauern ging so weit, daß in der letzten Woche das ganze Projekt gefährdet war – obwohl es für diesen strukturschwachen Raum mit derzeit über 13 Prozent Arbeitslosigkeit besonders wichtig ist, denn dort sollen einmal über 5000 Menschen einen Job finden.

Angeführt wurde die Schar der Preistreiber ausgerechnet von einem CSU-Stadtrat: Dem Bauern Georg Zirngibl aus der nach Regensburg eingemeindeten Gemarkung Harting gehören zwanzig Hektar mitten im Herzen des großen Areals von 140 Hektar, das BMW für ihr neues Montagewerk braucht.

Die Stadt Regensburg hatte sich im Herbst letzten Jahres verpflichtet, das gesamte Betriebsareal Stück für Stück zusammenzukaufen und dann für nur 19,50 Mark je Quadratmeter an das Automobilunternehmen weiterzugeben. BMW muß deshalb nur mit einem Festpreis von rund 27 Millionen Mark rechnen. Da Regensbure das Werk, für das auch anderswo in Bayern großes Interesse bestand und das auch das benachbarte Österreich gern bekommen hätte, unbedingt haben wollte, akzeptierte der Stadtrat diese Bedingung. Oberbürgermeister Friedrich Viehbacher und seinen Leuten war von Anfang an klar, daß die Stadt selbst viel tiefer in die Tasche greifen mußte. Aber wie unverfroren die Grundbesitzer feilschen würden, das konnte man sich wohl nicht so recht vorstellen. Bayerns Ministerpräsident Franz Josef Strauß, von der Stadt um Schützenhilfe gegen die Bauern gebeten, warf den Grundstücksspekulanten denn auch mangelnden Gemeinsinn vor angesichts dieser "größten Industrieansiedlung Bayerns in diesem Jahrzehnt".

Der Regensburger Preispoker ist nicht der erste in dem Freistaat: Anfang der sechziger Jahre wurde beim Bau des Raffineriezentrums Ingolstadt die Parole ausgegeben "Melkt die Ölkuh". Das größte Geschäft machte ein Landwirt aus der Gemeinde Kösching, der für ein hundert Hektar großes Grundstück von der Deutschen Shell AG sieben Millionen Mark erhielt. Und in Regensburg selbst gibt es noch ein viel krasseres Beispiel: Schon vor zwanzig Jahren, als die Universität Regensburg gebaut wurde, zahlte der Freistaat Bayern dem fürstlichen Haus Thurn und Taxis sechzig Mark für den Quadratmeter Ackerland, obwohl man Bauland anderswo viel billiger hätte haben können. "Das hängt noch als schweres Handikap nach", klagt man bei BMW.

Als dem Oberbürgermeister jetzt die Forderungen der Bauern, die ja nicht den Autokonzern, sondern nur die Stadt treffen, zu bunt wurden, setzte er ein Limit, das auf keinen Fall überschritten werden soll: 77,50 Mark für den Quadratmeter. Denn die Stadt konnte erst etwa zwei Drittel der benötigten 140 Hektar zu akzeptablen Bedingungen in ihren Besitz bringen. Und als BMW vor zwei Wochen zudem eine Art "Ultimatum" bis zum 16. Mai für die gesamten 140 Hektar stellte, verhärteten sich die Fronten, das Verhandlungsklima wurde immer hektischer.