Am Boom der Billigzigaretten können die Hersteller nichts verdienen

Von Gunhild Freese

Unter dem fröhlichen Slogan "Gut gelaunt genießen" preist der Hamburger Zigarettenkonzern BAT in Anzeigen seine Spitzenmarke HB. Vier lächelnde Menschen sind darauf zu sehen, die gemeinsam auf einer Landkarte den rechten Weg suchen.

Die Fahrer des Audi-Quattro-Tourenwagens scheinen dagegen schon auf der rechten Strecke zu sein. Sie sollen Fahrt machen für eine der Topmarken des größten heimischen Zigarettenanbieters, Reemtsma. Slogan: "Mut. Die Welt der Peter Stuyvesant."

überaus gelassen blickt der Cowboy in die Ferne, denn seine Marke ist die Marlboro von Philip Morris, und die verspricht den "Geschmack von Abenteuer und Freiheit".

Doch der schöne Schein trügt. Denn den Herstellern selbst ist die gute Laune vergangen. Mehr als ihre Kunden benötigen sie Mut. Und der "Geschmack von Abenteuer und Freiheit wird ihnen zusehends bitterer. In nicht einmal drei Monaten ist ihren Spitzenmarken die Kundschaft in Scharen davongelaufen. Allein im März verloren die Bestseller Peter Stuyvesant und Ernte 23, HB und Marlboro, Lord Extra und R 6 rund ein Drittel ihres Absatzes. Das über Jahrzehnte gewachsene Marktgefüge ist so durcheinander geraten, daß die "traditionellen Mechanismen nicht mehr gültig sind", wie Wilfried Dernbach, Geschäftsführer der Kölner Reynolds Tobacco GmbH, beklagt.

Ausgelöst wurde der Absatzschwund vor fast genau einem Jahr. Zum ersten Juni 1982 hatte der Bundes-Finanzminister – um ein Loch im Bonner Haushalt zu stopfen – die Tabaksteuer um fast vierzig Prozent heraufgesetzt. Die Zigaretten, die sich um gleich achtzig Pfennig pro Packung verteuerten, wurden den Rauchern zu teuer. Sie wechselten zum Selbstdrehen oder holten sich billigeren Ersatz aus den Nachbarländern.