Hörenswert

Greg Uta Band: "Kihnspiracy". Nach sechs vergleichsweise erfolglosen LPs ist dies – wie schon die ersten beiden Platten der Greg Kihn Band – ein veritabler "minor classic" der Popmusik, voll von Riffs, Hooks und Akkordwechseln, die einfach nicht mehr aus dem Kopf gehen wollen. Offenbar mochte sich Greg Kihn nicht mehr mit der Rolle des Lokalmatadors und ewigen Geheimtips in den Clubs und Ballrooms an der amerikanischen Westküste begnügen, und so unternahm er den Versuch, bei Pop-Klassikern der sechziger Jahre (von der Spencer Davis Group und den Stones bis Stevie Wonder) so geschickt zu "klauen", daß sein destilliertes Resultat unerhört frisch und unverbraucht klingt. Genau das ist ihm – bis auf die Rock-Version des alten Country-Heulers "I Fall To Pieces", den er leider nicht richtig sentimental singen mochte – denn auch ganz vorzüglich gelungen. Von tanzbarem Funk (Jeopardy") über kompakten Riff-Rock ("Curious" als cleverer Stones-Klau) bis zu Balladen wie "How Long" enthält "Kihnspiracy". ein halbes Dutzend potentieller Pop-Hits, die ohne modische Produktionsmätzchen auskommen. Hinreißenderer Pop-Rock war seit dem Debütalbum von Marshall Crenshaw nicht mehr zu hören! (Beserkley Records 96.0224-1)

Franz Schöler

Künstlich

"Sylvia Anders singt Guten Morgen, du schöne Manie Wander". Viele respektable Dinge sind beieinander: eine Sängerin (die Schauspielerin Sylvia Anders), de gegenüber sich selber sehr anspruchsvoll ist und eire Menge kann; eine Textdichterin (die Hochschullehrerin Manuela du Bois-Reymond), die immerhin einen eigenen Ton findet; ein Komponist (ihr Mann Burkhardt Söll), der großen Ehrgeiz zu erkennen gibt, aber sich beim Bemühen um eine anspruchsvolle Liedkunst verrennt. Seine an die frühe Moderne erinnernde Musik packt nicht; sie perlt am Gefühl herunter, obwohl doch die Gedichte, denen sie sich zuwendet, nicht gerade arm sind an Gefühl, in denen oft der Tod erscheint ("wie du in meinem Alter an Krebs gestorben bist" – "werde ich sterben wie Frauen vor mir, am Alter" –"when I die" – "mein Kind stirbt"); in denen die Verfasserin oft von ihrem Sohn spricht ("ich rufe meinen Sohn" – "in den Piratenschiffen meines Sohnes"); in denen auch mal den Herren "ein Schlückchen Weiblichkeit" empfohlen oder angedroht wird ("wir denken fortan mit, wir schlagen Krach, mein Herr"). Vielleicht liegt es daran, daß der Ton der Gedichte sich gleicht: böse Ahnung, Verlust, Trauer, oder daran, daß sich die Musik an ihnen nicht hat entzünden können. (Verlag "pläne" 88 321) Manfred Sack