Zwei Gehälter konnte der persönliche Referent des Berliner Wissenschaftssenators Wilhelm Kewenig über ein Jahr lang einstreichen. Der Computer der Freien Universität, an der der Politologe vor Antritt der Vertrauensstellung beim Senator beschäftigt war, hatte den Buchungsfehler nicht ausgespuckt – oder die Universitätsbediensteten, die mit dem Computer zu tun haben, hatten nicht aufgepaßt – obwohl die Hochschule gerade um jede Mark streitet, und zwar mit dem heutigen Chef des Doppelverdieners. Der selber will nichts gemerkt haben, weil er die Ein- und Ausgänge auf seinem Konto nicht so genau verfolgt habe. Der Senator jedenfalls fiel aus allen Wolken: Eben erst wollte er seinen Zuarbeiter in das Beamtenverhältnis übernehmen, jetzt muß er ein Disziplinarverfahren gegen den Vertrauten abwarten, der erst einmal in den Jahresurlaub geschickt worden ist. Mit der FU hat er bereits die Rückzahlung der ohne Gegenleistung gezahlten Gehälter vereinbart.

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"Ganz sicher" ist nach eigenen Worten Otto Esser, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, daß alle Lehrstellenbewerber Ausbildungsplätze bekommen werden. Die Zahlen der Nürnberger Bundesanstalt für Arbeit, die den Schulabgängern wenig Hoffnung machen, gelten den Sprechern der potentiellen Lehrherren wenig. Immer wieder erklären sie, daß die Arbeitsämter nur einen Ausschnitt des gesamten Lehrstellenmarktes überblicken. Der Deutsche Industrie- und Handelstag ist optimistisch: DIHT-Vizepräsident Roland Klett berichtete den Teilnehmern eines Spitzengesprächs von Wirtschaftsvertretern und Gewerkschaftlern bei Bildungsministerin Wilms von einer Steigerung der Zahl der Ausbildungsverträge um fast zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Spätestens im September wird man wissen, wer recht hat: die pessimistischen Nürnberger Statistiker oder die vollmundigen Sprecher von Regierung und Wirtschaft

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Ein Zweitstudium eines der harten Numerus-clausus-Fächer ist seit langem schon nur möglich, wenn sich eine sinnvolle Verbindung der bisherigen und der neuen Disziplin begründen läßt: Chemiker können nach ihrem Diplom ins Medizinstudium eher umsteigen als Geologen. Im Konfliktfall entscheidet das Verwaltungsgericht. Die Richter in Gelsenkirchen, zu deren Sprengel die Zentrale Vergabestelle in Dortmund gehört, haben jetzt einen 35jährigen Diplom-Betriebswirt abgewiesen, der Zahnmedizin studieren wollte. Dabei hatte der Aspirant sein Begehren nicht etwa platt mit den hervorragenden ökonomischen Möglichkeiten einer Existenz als Zahnarzt begründet, nein: Das Studium der Zahnmedizin sollte ihn befähigen, "aus der Paxis heraus" Wirtschaftlichkeitsfragen der Medizin zu beantworten. Da sich aber Verwaltungsrichter nicht vorstellen können, warum Zahnärzte von einem Kollegen mehr über Abschreibungszeiten der Behandlungsstühle, finanziellen Aufwand unterschiedlicher Behandlungswege oder die Kalkulation ihres Verdienstes erfahren könnten als von einem simplen Wirtschaftsexperten, muß der Betriebswirt bei seinem unmedizinischen Leisten bleiben.

Peter Pedell