Oskar Schindler ist als Retter von 1300 Juden in die Geschichte eingegangen

Von Christine Brinck

Oskar Schindler, ein Sudetendeutscher des Jahrgangs 1908, Mitglied der nationalsozialistischen Henlein-Partei, traf 1939 im Schlepptau der siegreichen deutschen Armee in Polen ein. Der flotte junge Mann wurde "Treuhänder" einer vormals jüdischen Firma für Küchengeräte in Krakau. Nach ein paar Wochen hatte der pfiffige Herr Schindler aus dem Familienbetrieb mit Hilfe des jüdischen Prokuristen die "Deutsche Email Fabrik" (DEF) gemacht. Mit List, Bestechung und guten Kontakten (nicht zuletzt zu seinem Namensvetter General Schindler vom Heeresversorgungsamt) konnte der 31 Jahre alte Jungunternehmer im Handumdrehen fette Produktionsaufträge sammeln.

Der Herr Direktor, wie Oskar Schindler von seinen jüdischen Arbeitern genannt wurde, war ein Bonvivant und Weiberheld (er hatte nie weniger als zwei Geliebte zur gleichen Zeit), ein Autonarr und Kettenraucher; er war elegant, selbstsicher und trinkfest. Er ist die Hauptfigur des Buches von:

Thomas Keneally: "Schindlers List;" Simon und Schuster, New York; 17,95 US-Dollar.

In Amerika und England (dort heißt es "Schindler’s Ark"), hat das Buch großes Aufsehen erregt. Denn dieser ganz und gar nicht noble Mensch, dieser Profiteur von Hitlers Gnaden war eine lebende Legende von Tugend und Güte in schlimmer Zeit.

Oskar Schindler, Herr über Hunderte von jüdischen Zwangsarbeitern, ist als Retter von 1300 Juden in die Geschichte eingegangen. Ihm wurde in Jerusalem als "gerechtem Christen" ein Denkmal gesetzt; seine Gefangenen schmiedeten ihm kurz vor der Kapitulation aus eigenem Zahngold einen Ring mit der talmudischen Inschrift: "wer auch nur ein Menschleben rettet, der rettet die ganze Menschheit."