Zur Ehrung von Kurt A. Körber

Von Ralf Dahrendorf

Es ist leicht, auf die Bundesrepublik Deutschland stolz zu sein. Sie ist ein freies Land, nun schon 34 Jahre lang, ja mehr, denn die drei Jahre vor ihrer Gründung darf man wohl mitrechnen. Eine der wichtigsten Entscheidungen für ihre Freiheit ist ohnehin vor der Gründung der Bundesrepublik getroffen worden: von Ludwig Erhard, dem damaligen Direktor für Wirtschaft in der Verwaltung des Zwei-, später Dreizonenwirtschaftsgebiets, als er zum Entsetzen vieler, sogar mancher Amerikaner, zugleich mit der Währungsreform die Rationierung aufhob. Das war "De-Regulierung", ein wichtiges Wort.

Übrigens zeigt Erhards Entscheidung, daß Freiheit und Wohlstand zusammenhängen. Das Gegenteil zumindest ist richtig: Unfreiheit bedeutet in der Regel selbstverschuldete Armut Die Bundesrepublik ist also auch ein reiches Land. Manchmal fragt man sich, ob sie nicht zu reich, oder doch zu verliebt in ihren Reichtum ist. Schließlich bricht die Welt nicht zusammen, wenn die Steigerung der Reallöhne mal hinter der ohnehin niedrigen Inflationsrate hinterherhinkt. Das muß unser Land vielleicht noch lernen, daß man auch mit langsamem Wachstum leben kann.

Selbst langsames Wachstum verlangt allerdings ein drittes, die Weltoffenheit. Und die Bundesrepublik ist ein weltoffenes Land. Nicht nur Diplomaten, sondern vor allem Unternehmer aus der Bundesrepublik findet man in allen Teilen der Welt. Deutsche Schulen sind vielleicht ein wenig ungleichmäßig über die Welt verteilt, mehr als 90 in Paraguay, eine einzige in den USA; aber deutsche Dinge gibt es überall. Zudem sind diese deutschen "Dinge" nicht nur Autos und Chemieprodukte und Maschinen zur Herstellung von Filter-Zigaretten, sondern sie haben auch Namen: Günter Grass, Rolf Liebermann, Carl Friedrich von Weizsäcker – und manchen anderen, der mit Kurt Körber und dem von ihm geschaffenen Bergedorfer Gesprächskreis verbunden ist.

Kurt Körber hat zu allen drei Entwicklungen seinen Beitrag geleistet – zur Freiheit, zum Wohlstand und zur Weltoffenheit. Er hat dies auf die ihm eigene, unverwechselbare Art getan: als "An-Stifter", wie er selber es vorzugsweise nennt.

Kurt Körber ist ein Erfinder. Er hat immer Dinge erfunden. In seinem Kopf war stets die erste Frage: Was kann man da tun? Die Sendereinstellung bei Radios (Mitte der zwanziger Jahre)? Da muß es doch etwas geben. Das Sortieren von Orientzigaretten, so daß die Beschriftung oben ist? Das muß doch möglich sein. Die Produktion von Filterzigaretten? Das läßt sich machen.