Sondersitzung in Brüssel: ein Schrittchen nur, aber auf dem richtigen Wege

Von Rudolf Walter Leonhardt

Brüssel, Ende April

Es ging um die Arbeitslosigkeit. Das Thema bot sich an für eine Sondersitzung des Europa-Parlaments, weil bei mehr als zwölf Millionen Arbeitslosen innerhalb der Gemeinschaft – das sind elf Prozent, Tendenz steigend – keine Regierung eines Mitgliedsstaates sich taub stellen kann. Es bot sich auch an, weil zu hoffen war, daß die gemeinsame Not sich über nationale Beschränktheiten hinwegsetzen müßte. Solche Hoffnungen erfüllten sich wenigstens teilweise.

Die Sondersitzung wurde genutzt für einen großen Auftritt. Das Parlament will und muß ja heraus aus der Rolle des Debattierclubs, der Resolutionen produziert, die dann abgelegt werden auf dem Papierberg. Der ist von all den berüchtigten europäischen Bergen zweifellos der höchste. Die Öffentlichkeitsarbeit der Europäer war immer sehr teuer und nie ganz schlecht. Aber der große Durchbruch ist ausgeblieben, der darin bestünde, daß ein europabewußter Engländer, ein der Trikolore nicht völlig verfallener Franzose, ein des Provinziellen überdrüssiger Deutscher sich von diesem Parlament in gleicher Weise und in größerem Rahmen vertreten fühlte wie von den Abgeordneten in London oder Paris oder Bonn. Ein Europarlamentarier, der im nächsten Jahr wieder gewählt werden will, tut gut daran, dieses Ziel wenigstens zu sehen, und sei es in noch so weiter Ferne.

Mehr Charisma, weniger Macht

Zwei glückliche Entscheidungen wurden, nach langem Hin und Her, getroffen: mit dieser Sondersitzung nach Brüssel zu gehen und das Fernsehen dazu einzuladen.