Mit 26 Medizinstudenten hat am Südrand des Ruhrgebiets die erste private und privat finanzierte Hochschule der Bundesrepublik den Studienbetrieb aufgenommen. Hervorgegangen ist sie aus dem Gemeinschaftskrankenhaus in Herdecke, das geprägt wird von anthroposophisch orientierten Ärzten, die den Kranken in seiner Gesamtheit und nicht kranke Körperteile von Patienten behandeln wollen. Die neue Universität will dementsprechend die Enge und Lebensferne der Einzelwissenschaften überwinden: Zugelassen zum Studium wurde eher der Krankenpfleger und Drogentherapeut als der Einser-Abiturient; studiert werden soll von Anfang an am Krankenbett wie im Hörsaal.

Die sozialdemokratische Landesregierung in Düsseldorf hat sich die Genehmigung dieses privaten Einbruchs in eine staatliche Domäne nicht leichtgemacht. Darf eine Regierung die grundsätzliche Gleichheit der Studienbedingungen aufgeben und einer Konkurrenz für die staatlichen Universitäten den Weg ebnen, einer Konkurrenz, die unweigerlich ein Elitestudium hier, weniger versprechende Ausbildung dort bedeutet?

Sie muß es sogar. Die nach Reform- und Gegenreformperioden nicht etwa konsolidierten, sondern in Ratlosigkeit vermodernden Hochschulen brauchen den Stachel im Fleisch, brauchen Konkurrenz nicht von Planungsmodellen, sondern von tatsächlichen Alternativen. Sie werden sich durch Leistung wehren müssen, nicht nur mit dem Argument, sie seien halt leider so groß, überlastet und mittellos. Der neuen Universität ist gerade im Interesse der alten Glück zu wünschen. H. J. G.

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