Große Unternehmer werden hierzulande kritisch beobachtet – wollen diese Fremdlinge gar am Buch- und Zeitungs-Geschäft teilhaben, geraten sie in den Blick der gnadenlosen Feuilletonisten. Georg von Holtzbrinck, der am 27. April gestorben ist, verstand, dem lange zu entgehen. Der Gentleman aus dem westfälischen Kleinadel wußte, daß Unscheinbarkeit zur Größe gehört. Willensstärke freilich auch. Holtzbrinck bewies sie angesichts des Todes, den er klaglos, fast hochmütig empfing; so hochmütig, wie ererbte gute Manieren das zulassen.

Staunend registriert man seine Hinterlassenschaft. Dem bescheiden auftretenden Mann gehörten deutsche Buch-Verlage von Weltrang. Seit langem der Fischer Verlag in Frankfurt – Holtzbrinck war also Verleger von Thomas Mann. Vor Wochen erst kaufte er den Rowohlt-Verlag. Der Kindler-Verlag hat große Lexika aufgebaut: "Der Mensch", "Grzimeks Tierleben", das respektable "Literatur-Lexikon". Dem Droemer-Knaur-Verlag könnte Willy Droemer, einer der begabtesten deutschen Verleger, fehlen. Sonst wird Monika Schoeller, geb. von Holtzbrinck, die Geschäfte sorgfältig fuhren – und lernen, daß Sorgen Teil des Verlagsgewerbes sind.

Für den Buchklub "Deutscher Bücherbund" (1,6 Millionen Mitglieder) wird Sohn Dieter sorgen, bei allgemein abnehmenden Umsätzen schon eine Aufgabe. Dazu Handelsblatt, Wirtschaftswoche, Saarbrücker Zeitung – wirklich ein Erbe. Schade, daß der Schöpfer sein Werk so früh, mit 74 Jahren, verlassen mußte. Buc.