Kaum ein anderes wichtiges Industrieland wird in deutschen Medien so selten erwähnt wie das zweitgrößte Land der Erde.

Der jetzt stattfindende Staatsbesuch aus Ottawa dürfte daran wenig ändern. Kanadas Generalgouverneur Edward ("Ed") Schreyer, Nachfahre deutschstämmiger Siedler in der Ukraine, erwidert – nach einem guten Vierteljahrhundert – einen Kanada-Besuch von Theodor Heuss. Selten gehen die Wogen bilateraler deutsch-kanadischer Entrüstung oder Begeisterung hoch genug, um hüben oder drüben eilends offizielle Besuche auszulösen. Dem bundesdeutschen Außenminister Hans-Dietrich Genscher ist es in neun Amtsjahren gelungen, drei offizielle Besuche in Ottawa in jeweils letzter Minute abzusagen, weil Dringlicheres auf dem Programm stand.

Sieht man aber von periodischen Verärgerungen ab – Uranembargo, Fischereistreit, Robbenbabys, Auslandsinvestitionspolitik der Kanadier – dann verträgt man sich zwischen Ottawa und Bonn durchaus bestens.

Wobei, zumindest in den letzten Jahren, die enge persönliche Zusammenarbeit zwischen Pierre Trudeau und dem früheren Bundeskanzler Helmut Schmidt die Gewähr für einen zunehmend positiven Dialog bot. Helmut Kohl hat sich offenbar positiv zur Fortsetzung einer im Sommer 1981 vereinbarten Sonderinitiative zur weiteren Belebung wirtschaftlicher Kooperation mit dem Rohstoffgiganten Kanada geäußert.

Für beide Seiten liegen die Vorteile auf der Hand: Bundesdeutsche Technologie soll bei der Erschließung und Nutzung kanadischer Energiereichtümer eine wichtige Rolle spielen. Zwar erschwert die derzeitige Rezession diese Zusammenarbeit, doch längerfristig bietet sich, wie Helmut Schmidt es einmal ausgedrückt hat, "ein weites Feld noch ungenutzter Möglichkeiten." Erdgas aus der Arktis könnte am Ende dieses Jahrzehnts Wilhelmshaven per Flüssiggastanker erreichen. Und schon heute wird Kohle aus dem kanadischen Westen in Duisburg billiger angeliefert .. als gleichwertige heimische Kohle aus dem Ruhrgebiet.

Die beiden Bundesregierungen in Bonn und Ottawa werden zwar nie müde, in beiden Ländern das chronische Informationsdefizit über den jeweiligen Partner zu beklagen, sie selbst jedoch zeigen sich in beiden Hauptstädten ebenfalls zumeist vornehm zurückhaltend.

Joachim Moskau (Ottawa)