„Wie man den Teufel und andere Menschen überlistet – Baskische Legenden“. Das Baskenland sorgt seit Jahren für Schlagzeilen. Wer einmal nichts über Bombenanschläge, Entführungen, Morde lesen möchte, sondern sich die Frage stellt, welche Gewohnheiten und Denkweisen für die Bewohner des Baskenlandes charakteristisch sein mögen, sei auf eine ungewöhnliche Publikation hingewiesen: eine zweisprachige Sammlung baskischer Legenden. Der Leser staunt sogleich angesichts dieses rätselhaften „Euskadi“, das keine Ähnlichkeiten mit anderen europäischen Sprachen aufweist, lediglich an das Finnische oder Ungarische erinnern mag. Wenngleich der Ursprung des Idioms ungeklärt ist, gehören diese Erzählungen doch zu unserem vertrauten Märchen- und Legendenschatz. In Ermangelung einer schriftlichen Literatur teilen diese mündlich überlieferten Texte vielleicht einiges mit von dem, was den Basken wichtig scheint: Gerissenheit gegenüber der Obrigkeit und dem Klerus; Bauernschläue, die stets den eigenen Vorteil zu wahren sucht; Starrsinn, wenn das Recht auf der eigenen Seite liegt; Freude an weltlichen Genüssen, besonders an einem edlen Tropfen. Die Abenteuer von Fernando Amézqueta beziehen sich auf die historische Gestalt aus dem 19. Jahrhundert, mit der sich die Basken auch heute noch gerne identifizieren. Das vorliegende Buch vermittelt einen bescheidenen Eindruck von einem eigenwilligen, stolzen Volk, das heute unerbittlich und unbeugsam für die politische und kulturelle Autonomie kämpft. Widrigkeiten, wie das jahrzehntelange Verbot der „Euskadi“, werden entschlossen befehdet: Jetzt wird die Sprache intensiv an allen Schulen gelehrt – auch wenn, wie die Sage lautet, selbst der Teufel es aufgegeben hat, Baskisch zu lernen. (Herausgegeben von Peter Frey und Günter Brettschneider; Pendo Verlag, Zürich, 1982; 180 S., 24,80 DM.)

Michi Strausfeld

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Sein eigener Herr“. Roman von Halldor Laxness. Zum achtzigsten Geburtstag des Autors legt der Huber Verlag in Neuausgabe den Roman um den isländischen Kleinbauern Bjartur vor, der in einem Heidetal siedelt, sein Leben lang um seine Unabhängigkeit kämpft und es dennoch nicht zu einem „Dasein in Recht und Gerechtigkeit“ bringt wie der Ödlandbauer Isak in Knut Hamsuns ,Segen der Erde“. Laxness sieht in diesem Roman (isländisch 1935) sein bestes Buch. Seine Schilderung basiert „auf gesellschaftlicher Grundlage“, nachdem er die Lebensbedingungen des isländischen und nicht nur des isländischen Kleinbauern studiert hat und zu einer Beurteilung der Lage gekommen ist, die der Hamsuns „direkt entgegengesetzt“ ist. Aber wie vielschichtig, vielräumig und vielgestaltig ist die Geschichte angelegt! Sie knüpft in einer Art Vorzeit-Geschichtsschreibung an das Auftreten des Iren Kolumkilli in Island an, der in der Phantasie der Leute als Teufel weiter umgeht – besonders auf jenem Hügel und Gehöft, wo der Bauer Bjartur sich niederläßt. Der will in Alleinwirtschaft hier siedeln, Schafe halten und seine Unabhängigkeit gegen das Gespenst verteidigen, das ihm nun als Großbauer oder Kaufmann entgegentritt, um Geschäfte mit ihm zu machen und ihn durch Geschäfte zugrunde zu richten, das den Hunger schickt, Schafe und Menschen krank macht, Bjarturs zwei Ehefrauen und seine Kinder sterben läßt. Zuflucht findet dieser „freie Mann“ nur im Wort, im „Monolog seiner Seele“, der nach den Mustern der alten Reimdichtung, mit der er aufgewachsen ist, kunstvoll gebaute Vierzeiler aneinanderreiht. So bleibt der isländische Bauer über die Jahrhunderte hin ein Dichter wie sein Söhnchen Nonni, das nachts das Küchengeschirr reden hört. (Aus dem Isländischen von Bruno Kress; Verlag Huber, Frauenfeld/Stuttgart, 1982; 603 S., 39,– DM.) Anni Carlsson