An Strauß ist uns einerseits vielleicht ein großer Kanzler verlorengegangen, andererseits haben wir dadurch aber einen begnadeten Kriminalisten gewonnen. Das hat er mit dem glänzenden Debüt seiner neuen Karriere bewiesen, als es ihm gelang, einen Todesfall an der deutsch-deutschen Grenze – ohne Beweise! ohne Zeugen! – als Mordfall aufzuklären. Anschließend glückte ihm ein weiterer Coup: Mit Hilfe seiner bewährten Kriminalassistenten Stoiber und Wiesheu enttarnte er, ausgerechnet im Bundeskabinett, mit Minister Lambsdorff einen Sachwalter der DDR und konnte zugleich verhindern, daß der ahnungslose Kanzler einen echten Kommunisten namens Honecker empfängt und ihm sogar die Hand reicht.

Nach diesen spektakulären Erfolgen kann sich Kommissar Strauß der zahllosen Bitten aus dem In- und Ausland um Amtshilfe kaum erwehren. Ein Blick auf seine jüngste Erfolgsliste:

Es gelang Kommissar Strauß unter anderem, die Hintergründe des Papst-Attentates endgültig zu klären und den lückenlosen Beweis zu erbringen, daß tatsächlich Andropow darin schwer verwickelt ist, besitzt Kommissar Strauß doch die Tonbänder von der entscheidenden Lagebesprechung in Sofia vor dem Attentat, auf denen die Stimme Andropows deutlich zu erkennen ist.

Es ist kein Geheimnis geblieben, daß Kommissar Strauß kürzlich in Oslo und Stockholm aufgetaucht ist, um den dortigen Behörden bei der Auffindung der spionierenden U-Boote behilflich zu sein. Mit Hilfe eines im Chiemsee erprobten Spezialgerätes gelang es ihm, unter Wasser eine heiße Spur zu entdecken, die schnurstracks zu einem Rudel sowjetischer Mini-U-Boote führte.

Auch in der Verfolgung des Waldsterbens wurde Kommissar Strauß tätig und sofort fündig. Die Betrachtung eines sterbenden Baumes in seinem Garten brachte ihn auf eine Spur, die den Verdacht auf gewisse Brunnenvergifter im Osten lenkt. Von dort werden nächtlich, um den deutschen Wald zu vernichten, giftige Schwefeldämpfe in die Bundesrepublik geblasen, in der Absicht, die Schuld an diesem Baumsterben dem westdeutschen Monopolkapitalismus anzuhängen.

Auch in die Suche nach den verschwundenen 41 Dioxin-Fässern wurde Kommissar Strauß eingeschaltet. Sein Verdacht, daß auch in dieser dreckigen Affäre der Osten keine saubere Weste hat, wurde inzwischen weitgehend bestätigt. "Die ganze Sache stinkt zum Himmel", erklärte der Kriminalist und fügte hinzu: "Wenn wir ein Faß finden, finden wir alle Fässer." Darauf erteilte er einer französischen Präfektur, in deren Gegend die letzte Fährte zu den Fässern führte, Anweisungen zu einer neuen Suchaktion.

So nimmt es wohl nicht wunder, daß wir, dank Kommissar Strauß, auch im Falle der umstrittenen Hitler-Tagebücher vor der Aufklärung stehen. Dabei geht es in Wahrheit um Tagebücher, die demnächst erst noch in einem paraguayischen Sumpfgebiet aufgespürt werden. Sie reichen bis in die fünfziger und sechziger Jahre und sollen brisante Äußerungen A. H’s über Bonner Politiker enthalten. "Das ist für mich der letzte Beweis, daß sie aus der Sudelküche des Ostens stammen", sagte Kommissar Strauß, während er geschmeichelt neben dem großen Porträtphoto auf seinem Schreibtisch posierte – es trug die Widmung: "Für meinen Freund und tüchtigen Kollegen, Dein Kommissar Maigret,"