Die Nachricht sollte möglichst normal klingen: Drei Manager scheiden aus einem Aufsichtsrat aus, und im Sommer soll eine Hauptversammlung die drei Nachfolger wählen.

Dies berichtet jedoch nicht irgendeine Aktiengesellschaft, dies berichtet AEG-Telefunken – und die ist im Vergleich, kämpft ums Überleben. Da ist es dann nicht mehr normal, daß in einer solchen Zeit Aufsichtsräte ausscheiden.

Und so hat denn auch jeder Abschied seine Geschichte. Franz Josef Weisweiler, designierter Vorstandsvorsitzender bei Mannesmann, verließ den AEG-Rat schon im vorigen Jahr. Nachdem Mannesmann zusammen mit Bosch AEG zum Verkauf seiner Restbeteiligung an der gemeinsamen Gesellschaft für Nachrichtentechnik gezwungen hatte, und nachdem es Streit um den Kaufpreis gab, war für gedeihliche Zusammenarbeit kein Raum mehr.

Hans Christian Schroeder-Hohenwarth, persönlich haftender Gesellschafter der Berliner Handels- und Frankfurter Bank, geht, weil er zum Präsidenten des Bundesverbandes deutscher Banken gewählt wurde; ein Anlaß allerdings, der ihm "gerade recht kam", wie ein Aufsichtsratskollege meint, hat doch sein Bankhaus sein AEG-Engagement deutlich gemindert.

Gerd Wollburg, Manager beim Lastwagenbauer MAN, rät nicht mehr in Frankfurt, wohl weil sein eigenes Unternehmen Probleme genug hat.

Wollburg war erst im Januar 1980, kurz vor dem Amtsantritt von Heinz Dürr, in den AEG-Rat berufen worden; "Industriellen Sachverstand" wollte man damals dem Elektrokonzern zur Verfügung stellen.

Unter den drei neuen Leuten, die die AEG-Hauptversammlung am 23. Juni in den Aufsichtsrat wählen soll, ist einer ein besonders guter Bekannter des AEG-Chefs: Der schwäbische Unternehmer Helmut Eberspächer, der siebenundsechzigjährige Chef der Eberspächer-Unternehmensgruppe ist ein entfernter Verwandter von Heinz Dürr. Außer Eberspächer sollen Jochen Hölzer, Vorstandsmitglied bei den Bayernwerken und Karl August Zimmermann, Manager bei Thyssen, in den AEG-Rat nachrücken.