Alle reden vom Waldsterben, aber die große Chance, wirklich etwas dagegen zu tun, hat der Bundesrat in der vorigen Woche, verstreichen lassen. Über mehr als hundert Änderungsanträge zur sogenannten "Großfeuerungsanlagen-Verordnung" mußte er abstimmen; aber die Länder haben sich schließlich auf nur zwei Verschärfungen einigen können: Die besonders luftverschmutzenden Altanlagen dürfen nur kürzer als bisher vorgesehen genutzt werden, und: Die strengeren Abgasbestimmungen sollen auch für kleinere Neuanlagen als bisher geplant gelten.

Ansonsten aber siegten die sattsam bekannten Argumente: "Arbeitsplatze" (im Bergbau) und finanzielle Zumutbarkeit. Die Braunkohlen-Kraftwerke qualmen weiterhin, und die Schlupflöcher der Übergangsregelungen bleiben offen. Das innenpolitische Hemd war den Landesregierungen näher als der Rock der Umwelt, und diese Tatsache allein sollte gegenüber vollmundigen Versprechen, künftig mehr für den Umweltschutz zu tun, ein gehörig Maß an Mißtrauen wachrufen.

Der Vertreter des Bundesinnenministeriums nannte das Ergebnis "ausgewogen". So ist es: gewogen und zu leicht befunden. Denn derweil stirbt der Wald weiter. H. B.